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Seite 4

 

Aus:

Zeit Online: http://www.zeit.de/2003/04/Walser-Rede/komplettansicht?print=true

 

Lieber schön als wahr

Von: Martin Walser

 

Eine Rede über Hölderlin, Kierkegaard und DIE ZEIT, über Wörter der Macht und solche, die eine Begegnung mit dem Religiösen ermöglichen

 

In allem Sprachlichen, das sich auf Gott bezieht, sieht man Vokabular und Sprache im unstillbaren Streit. Die theologischen Vokabulare ziehen mich nur an, wenn ich Zeuge werde, dass sie einer ererbten Selbstzufriedenheit überdrüssig sind. Deshalb kam mir Karl Barth attraktiv vor. Nur Kierkegaard selber ist mir noch attraktiver vorgekommen. Die theologischen Sprachmenschen, die mit den Wörtlichkeiten, die sie für Gott vorfinden, nicht leben können: das sind die Auskunftsreichsten, wenn man die Spannung Vokabular und Sprache erleben will. Gott ist eben nach „Ich“ unser wichtigstes Wort. Deshalb hat sich seinetwegen auch so viel Vokabular gebildet.

In Karl Barth kommt das exemplarisch zum Ausdruck. Außer Kierkegaard hat sich wohl keiner das religiöse Sprechen so schwer gemacht wie Karl Barth. Im Jahr 1956 schaut er zurück auf die frühen zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts, als er polemisch radikal reagiert hatte auf die allzu sorglos gewordenen Vokabulare der „liberalen oder auch positiven Theologie“. Diese Theologie habe weniger von Gott geredet als vom christlich frommen Menschen. Und wie hat er 1922 auf dieses sorglos gewordene Theologenvokabular reagiert? Dialektisch. Er wollte von „der Herrlichkeit Gottes in der Schöpfung nicht lange anders … reden als … unter stärkster Hervorhebung der gänzlichen Verborgenheit, in der sich Gott in der Natur für unsere Augen befindet“. Seine dialektische Theologie will, sagt er, „Zeugnis sein von der Wahrheit Gottes, die in der Mitte, jenseits von allem Ja und Nein steht. Und ebendarum habe er nie bejaht, ohne zu verneinen, nie verneint, ohne zu bejahen, weil das Eine wie das Andre nicht das Letzte ist.“

Den bequemen Anthropozentrismus der liberalen Theologie verachtet er. Dreißig Jahre später gibt er klein bei oder groß bei. Jetzt ist Gott „Partner“ des Menschen. Seine „Divinität“ hat „als solche auch den Charakter von Humanität“. Karl Barth hat an beidem teil, am Vokabular und an der Sprache. Jetzt das Geständnis: Je negativer er zu bleiben vermag, desto mehr hat er Sprache; je positiver er wird, desto deutlicher lebt er vom Vokabular. Solange er in der Bewegung bleibt, die keinen Stillstandsmoment erlaubt, solange er die „direkte Mitteilung“ meidet, so lange hat er Sprache. 1922 fängt er an: „Wir sollen als Theologen von Gott reden. Wir sind aber Menschen und können als solche nicht von Gott reden.“ 1956 redet er mehr von Jesus Christus als von Gott. 1922 kommt Jesus Christus so gut wie nicht vor. 1956 beherrscht sein Name die Rede. 1922 war die Unfassbarkeit der Göttlichkeit Gottes die Erfahrung dieses Theologen Karl Barth. 1956 strömen die Sätze über vom Namen Jesus Christus. Der vermittelt jetzt alle damals erlebte, unvermittelbare Absurdität und Paradoxie.

Sein von ihm hier nicht zitiertes Vorbild, Kierkegaard, hat sich, soweit ich weiß, nie zu einer solchen Landung im Positiven verstanden. Kierkegaard hat das Theologische dann lieber ganz zum Sprachlichen werden lassen. Mein diesbezügliches Kierkegaard-Lieblingszitat: „…durch direkte Mitteilung ließ es sich nicht machen, da sich diese immer nur zu einem Empfänger in Richtung auf sein Wissen, nicht wesentlich zu einem Existierenden verhält.“ Sein „eigentümliches Verfahren“ liege „eben in der Gegensätzlichkeitsform der Mitteilung“. Das führt dann zwar auch zu Ergebnissen, aber zu solchen: …die Gewißheit des Glaubens ist ja kenntlich an der Ungewißheit.“

 

 

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„ Ihr Leben hatte darin bestand, ein wenig Konversation zu machen“.

 

Tiziano: „Angela,…“

 

Angela: „… da bin ich ja, da bin ich ja. Es hat sich gelohnt zu leben, um dies zu begreifen, nicht wahr?“

 

Aus: „Das Ende ist der Anfang „von Tiziano Terzani  , Spiegel Buchverlag Goldmann

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Aus: http://www.diakonie-rwl.de/cms/media/pdf/publikationen/2011/PerspektivenDerDiakonieImGesellschaftlichenWandel.pdf

Von Uwe Beck 2011

 

Hannah Arendt hat einmal in einem Interview mit Günter Gaus auf die Frage hin, ob sie mit ihren Büchern wirken wolle, Folgendes geantwortet: »Jetzt fragen Sie nach der Wirkung. Es ist das – wenn ich ironisch reden darf – eine männliche Frage. Männer wollen immer furchtbar gern wirken; aber ich sehe das gewissermaßen von außen. Ich selber wirken? Nein, ich will verstehen. Und wenn andere Menschen verstehen – im selben Sinn, wie ich verstanden habe –, dann gibt mir das eine Befriedigung wie ein Heimatgefühl.« (Arendt 2007, S. 48f).

 Was Arendt meint, ist in der Tat der elementare Prozess der Wahrheitssuche, bei dem sie überzeugt war, dass er niemals allein, sondern immer nur im diskursiven Austausch und dem Perspektivwechsel mit anderen vollzogen werden kann. Die Diakonie braucht diesen Austausch vielleicht mehr denn je. Das Verstehenlernen der Prozesse, die sich gesamtgesellschaftlich, sozialpolitisch, europäisch und auch in der dynamischen Beziehung zwischen Kirche und Diakonie ereignen, erlaubt kein sektorales Denken Einzelner oder auch einzelner diakonischer Gruppierungen, seien es diakonische Unternehmen, Fachverbände, Landesverbände oder der Bundesverband. Nur die gemeinsame Gewinnung der Gesamtschau, die wechselseitige Einsicht über die diakonischen Herausforderungen und die Entwicklung von gemeinsamen Strategien können der Diakonie die nötige Geschlossenheit und Verbundenheit geben. Wenn dieser Text dazu einen fruchtbaren Beitrag bieten kann, dann hat sich die darin enthaltene Orientierungssuche gelohnt.

 

 

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Aus Manuskripte SWR:

http://www.kirche-im-swr.de/?page=manuskripte&autor=36

Mittwoch, 23. März 2011

 

Arbeit schützt vor Armut nicht

 „Du sollst einem dreschenden Ochsen das Maul nicht verbinden", heißt es in einem Regelwerk im Alten Testament der Bibel (Deuteronomium 25,4). Wenn man schon das Hornvieh als vierbeinige Dreschmaschinen über die Tenne treibt, sollte es doch im Vorübergehen ein Büschel Heu oder Gras erhaschen dürfen.
Der Apostel Paulus bezieht dieses Wort in seinem Brief an die Korinther auf die arbeitenden Menschen: „Wer drischt, soll in der Hoffnung dreschen, dass er seinen Teil bekommen wird" (1 Korinther 9,10). 
Darauf hoffen gegenwärtig bei uns 23 % der Beschäftigten vergebens. Sie erzielen mit ihren Niedriglöhnen nicht einmal ihr Existenzminimum und müssen sich, sofern sie die Voraussetzungen erfüllen, über „Hartz IV" „aufstocken" lassen. Übrigens mit unseren Steuern und Abgaben! Manche der Niedriglöhner sehen sich gezwungen, zusätzlich ein zweites Arbeitsverhältnis anzunehmen. Wer sich so verausgaben muss, hat natürlich weder Zeit noch Kraft für Partnerschaft und Familie, Politik und Kultur - von den gesundheitlichen Folgen ganz zu schweigen. 
Dass in einer so wirtschaftsstarken Nation Arbeit nicht einmal mehr vor Armut schützt, ist eine Schande! Umso mehr, als durch solche Mickerlöhne auch noch die Altersarmut von morgen vorprogrammiert wird - ganz nach dem Motto: Einmal arm, immer arm... Arme Alte aber liegen wiederum dem Staat auf der Tasche! 
Im Unterschied zu 21 anderen europäischen Staaten ist die Politik hierzulande nicht imstande, diesem Treiben über ein flächendeckendes Mindestlohngesetz Einhalt zu gebieten. Dabei ramponieren solche Billiglöhne auch den wirtschaftlichen Wettbewerb. Unternehmen, die den Lohn ihrer Beschäftigten staatlich auffüttern lassen, konkurrieren jene gegen die Wand, die gerechte Löhne bezahlen. „Du sollst einem dreschenden Ochsen das Maul nicht verbinden.." - Im Mittelalter trieb man es noch toller: Man band den Dreschochsen einen Wisch duftendes Heu vor die Nase, dem sie den lieben langen Tag nachgejagt sind, ohne ihn je zu erwischen. Ein Fall für den Tierschutzverein!  Ein Fall für die Politik wäre es, endlich dafür zu sorgen, dass arbeitende Menschen nicht länger vergebens ihrem gerechten Lohn hinterherjagen müssen.

 

 

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Autor: Dorothea Frank, Bad Schönborn, Anstöße SWR1 / SWR4   2011

 

Sprung in der Schüssel

Wenn ich das nur besser könnte... Schade, dass ich diesen Fehler immer wieder mache...dass ich das einfach nicht schaffe...
Heute Morgen erzähle ich Ihnen eine Geschichte.
Für alle - ganz besonders aber für diejenigen, die über einen Fehler nicht hinweg kommen oder sich eine Schwäche nicht verzeihen können.
Es war einmal eine alte Frau, die hatte zwei Schüsseln zum Wasserholen. Die hingen von den Enden der Stange, die sie über ihren Schultern trug. Eine der beiden Schüsseln hatte einen Sprung. Die andere war ohne Makel und fasste stets die volle Portion Wasser.
Die Schüssel mit dem Sprung war am Ende der langen Wanderung - vom Fluss zurück zum Haus der Frau - nur noch halb voll. So ging das zwei Jahre lang jeden Tag.
Die alte Frau brachte immer nur anderthalb Schüsseln Wasser mit nach Hause.
Die makellose Schüssel war natürlich sehr stolz auf ihre Leistung. Die Schüssel mit dem Sprung aber schämte sich wegen ihres Makels. Sie war betrübt, dass sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie gemacht worden war.
Nach zwei Jahren sagte die Schüssel mit dem Sprung zu der alten Frau:
Ich schäme mich so wegen meines Sprungs. Auf dem ganzen Weg läuft Wasser aus.
Da antwortete die alte Frau: Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen, aber auf der Seite der anderen Schüssel nichts blüht?
Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumensamen gesät, weil ich von deiner Schwäche wusste. Nun hast du sie jeden Tag gegossen, wenn wir nach Hause liefen. In diesen zwei Jahren konnte ich herrliche Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken.
Wenn du nicht genau so wärest, wie du bist, wäre das nicht möglich gewesen.
Die Geschichte gibt mir zu denken. Sie erinnert mich, dass nicht nur meine Stärken, sondern gerade auch meine Fehler und Schwächen mein Leben interessant und einzigartig machen. Und ich kann nur hoffen, dass Gott nochmals ganz anders auf meine Stärken und Schwächen schaut.
Davon war auch Dietrich Bonhoeffer überzeugt. Sonst hätte er nicht sagen können: Für Gott ist es nicht schwerer, mit unseren Schwächen etwas anzufangen als mit unseren Stärken.

 

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Antoine de Saint  :Die Stadt in der Wüste - Citadelle

Ullstein Buch  Frankfurt1982

 

145

Denn ich bin der Worte müde, die sich die Zunge zeigen, und es scheint mir nicht widersinnig zu sein, wenn ich im Wert eines Zwanges den Wert der Freiheit suche.

Wie auch im Wert des Mutes, den der Mann im Krieg beweist, den Wert seiner Liebe.

Wie auch im Wert seiner Entbehrungen den Wert seines Überflusses.

Wie auch im Wert seiner Todesbereitschaft den Wert seiner Lebensfreude.

Wie auch im Wert seiner Stufenordnung den Wert seiner Gleichheit, die ich Bündnis nennen werde.

Wie auch immer seines Verzichts auf irdische Güter den Wert des Gebrauchs, in der von eben diesen Gütern macht.

Wie auch im Wert seiner völligen Unterwerfung unter das Reich den Wert seiner persönlichen Würde.

Denn sage mir, wenn du ihn zu fördern gedenkst, was ein Mensch für sich allein bedeutet? Bei meinen Aussätzigen habe ich es deutlich gesehen.

Und sage mir, wenn du sie zu fördern gedenkst, was eine üppige und freie Gemeinschaft bedeutet? Bei meinen Berbern habe ich es klar erkannt.

 

71

Ich verbiete den Kaufleuten, ihre Ware allzu sehr anzupreisen. Denn sie entwickeln sich schnell zum Schulmeister und lehren dich etwas als Ziel, was seinem Wesen nach nur Mittel ist, und da sie dich über den Weg täuschen, den du einschlagen musst, erniedrigen sie dich gar bald; denn wenn ihre Musik gemein ist verfertigen sie dir eine gemeine Seele, damit sie ihre Ware bei dir anbringen können. Es ist nun gewiss gut, dass die Dinge dazu geschaffen wurden, dem Menschen zu dienen; es wäre aber wider die Natur, wenn die Menschen dazu geschaffen wären, den Dingen als Müllkasten zu dienen.

 

(rz: Ist das ähnliche nicht bei vielen anderen Berufsständen auch zu bedenken?_ Pädagogen,… Und was ist die Alternative – die es gibt - vielleicht nicht nur eine. Es braucht den Mut)

 

 

1

Allzu oft habe ich gesehen, wie das Mitleid irregeht. Doch wir, die wir über die Menschen herrschen, haben ihr Herz zu ergründen gelernt, damit sich unsere Fürsorge einem Gegenstand zuwende, der der Beachtung würdig ist. So versage ich dieses Mitleid den eitel zur Schau getragenen Wunden, die den Frauen das Herz zerreißen, wie auch den Sterbenden und den Toten. Und ich weiß warum.

- Ich will, so schloss er, dass sie die lebendigen Wasser der Brunnen liebgewinnen. Und die einheitliche Fläche der grünen Gerste, unter der sich die Risse des Sommers wieder geschlossen haben. Ich will, dass sie die Wiederkehr der Jahreszeiten preisen., ich will dass sie sich reifenden Früchten gleich von Stille und Langsamkeit nähren. Ich will, dass sie lange ihre Verstorbenen beweinen lange die Toten ehren, den das Erbe geht nur langsam von einem Geschlecht auf das andere über, und ich möchte nicht, dass sie unterwegs ihren Honig verlieren. Ich will dass sie dem Ölzweig gleiche. Ihm, der erwartet. Dann werden sie beginnen, den großen Pendelschlag Gottes in sich zu spüren; denn Gott kommt wie ein Hauch, um den Baum zu erproben. Er führt sie geleitet sie heim, von der Morgenröte zur Nacht vom Sommer zum Winter, von der sprießen den Staat zur geborgenen Ernte, von der Jugend zum Alter und vom Alter sodann zu neuen Kinder.

Denn so wenig wie vom Baum weißt du von Menschen, wenn Du ihn in seiner Dauer ausbreitest ihn nach seinen Unterschieden ein teilst. Mitnichten ist der Baum zuerst Samen, dann Spross, dann biegsame Stamm, dann dürres Holz. Man darf ihn nicht zerlegen, wenn man ihn kennen lernen will. Der Baum ist jene Macht die sich langsam dem Himmel vermählt.

 

Und wenn Du dich als ein wiegender Zweig zu entdecken weist, der fest mit dem Ölbaum verwachsen ist, wirst Du in deinen Bewegungen die Ewigkeit kosten. Und alles um dich hier wird ewig werden. Der Brunnen wird ewig seien, der sein Lied singt und deine Väter gelabt hat; das Licht der Augen wird ewig sein, wenn ihr deine Geliebte belächelt; die kühle der Nächte wird ewig sein. Die Zeit ist dann nicht mehr ein Stundenglas, das seinen Sand verbraucht, sondern eine Schnitterin, die ihre Garben bindet

 

 

143

So erkannte ich immer deutlicher, dass man den Menschen nicht zuhören darf, sondern sie verstehen muss. Denn die dort unter meinen Augen in der Stadt leben, wissen wenig von der Stadt. Sie halten sich für Architekten, Maurer, Polizisten, Priester, Leineweber; sie glauben, dass sie für ihren Vorteil oder ihr Glück da sind und empfinden nicht ihre Liebe, sowie einer nicht sein Liebe empfindet der im Hause beschäftigt ist und ganz in den Sorgen des Tages aufgeht. Der Tag gehört den häuslichen Szenen. Des Nachts aber findet einer, der sich gestritten hat, die Liebe wieder. Denn die Liebe ist größer als dieser Wind der Worte. Und der Mann lehnte am Fenster und fühlt wieder unter den Sternen die Verantwortung für die anderen, die schlafenden, für das Brot des kommenden Tages, für den Schlaf der Frau, die so gebrechlich und zart und vergänglich neben ihm ruht. Die Liebe denkt man nicht. Die Liebe ist.

Doch diese Stimme spricht nur in Schweigen. Und was für dein Haus gilt, gilt auch für die Stadt. Und was für die Stadt gilt, gilt auch für das Reich. Erst wenn ungewöhnliche Stille eintritt siehst du deine Götter.

Nirgendwo wirst du jenem großen Gesicht begegnen, dass dem Tode die Stirn bietet sich der Liebe hingibt. Und wenn Du den Wind der Worte beachtet hast, wirst Du langsam tendenziell zurückkehren und auf der Zunge den Geschmack der Niederlage spüren. Denn jene Soldaten verspottete und bekrittelten den Krieg und beleidigten ihre Einführer. Und gewiss hast du die Wäscher des Decks, die Aufgeier der Segel und Stimmlageschmiede gesehen, doch da du kurzsichtig warst und die Nase allzu dicht darauf drücktest, ist dir das Schiff in all seiner Majestät entgangen.

 

 

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http://www.kent-depesche.com/archiv/baummann.html

Text aus dem Buch: "Der Mann mit den Bäumen" von Jean Giono Layout und Bearbeitung von Kristina Peter

 

Sommer 1913: Jean Giono, ein junger Mann von zwanzig Jahren, brach auf, eine lange Fußwanderung auf den von Touristen nicht beachteten Höhen der französischen Alpen zu unternehmen. Nach drei Tagen befand er sich in einer wüstenähnlichen Gegend. Er kampierte neben einem verlassenen Dorf, das aus fünf zerfallenen Häusern bestand. Da er seit dem Vorabend kein Wasser mehr gehabt hatte, machte er sich auf die Suche nach dem Brunnen des Dorfes. Doch die Quelle war längst versiegt. Der heulende Wind blies mit unerträglicher Wucht über die offene Landschaft, in der es außer dürren Gräsern keine Vegetation mehr gab.

Jean war durstig und zog weiter. Schließlich traf er einen Hirten mit etwa fünfzig Schafen. Der Hirte – ein Mann von fünfundfünzfig Jahren – gab Jean aus seiner Kürbisflasche zu trinken und lud ihn in seine Hütte ein. Er sprach wenig. Doch Jean fühlte sich auf Anhieb in seiner Nähe wohl und vertraute ihm. Das Steinhaus war aufgeräumt, das Geschirr gewaschen, der Boden gekehrt und die Suppe kochte auf dem Herd. Nach der einfachen Mahlzeit holte der Hirte – er hieß Elzéard Bouffier – einen kleinen Sack hervor und schüttete einen Haufen Eicheln auf den Tisch. Er untersuchte sie genau und sortierte die schlechten aus, bis er schließlich hundert vollkommene Eicheln vor sich hatte. Dann ging er schlafen.

Elzéard Bouffier erweckte den Eindruck, dass nichts ihn zu stören vermochte. Wie selbstverständlich lud er den jungen Mann am nächsten Morgen ein, ihn zu begleiten. Er nahm den Sack mit den hundert vollkommenen Eicheln, einen Eisenstab und begann bergan zu steigen. Plötzlich hielt er an, stieß seinen Eisenstab in die Erde, legte in das entstandene Loch eine der hundert vollkommenen Eicheln und verschloss das Loch mit Erde. Das machte er hundertmal an diesem Tag. Er pflanzte Eichen!

Jean Giono fragte ihn, ob das Land ihm gehöre. Nein, antwortete der Hirte, und er wisse auch nicht, wem es gehören könnte. Jean stellte viele Fragen und Elzéard antwortete schließlich. Seit drei Jahren pflanze er Bäume in dieser wüstenartigen Einsamkeit. Er habe bereits 100.000 gepflanzt. Von den 100.000 hätten 20.000 getrieben. Von diesen 20.000, so rechne er, werde er noch die Hälfte durch Nagetiere und andere Umstände verlieren. Vermutlich würden etwa 10.000 bleiben. 10.000 Eichen, die plötzlich dort wuchsen, wo es vorher nichts gegeben hatte! Jean war überwältigt und stellte sich diesen Eichenwald in 30 Jahren vor. Doch der Hirte sagte, wenn Gott ihm so lange das Leben gäbe, dann werde er bis in 30 Jahren so viele Bäume gepflanzt haben, dass diese 10.000 wie ein Tropfen im Meer sein würden.

Er hatte neben seinem Haus mit Bucheckern bereits eine Baumschule angelegt. Und weiter unten, wo der Grundwasserspiegel höher sei, wolle er die feuchtigkeitsliebenden Birken pflanzen.

Dann kam der Krieg und Jean kämpfte fünf Jahre lang. Aus dem Krieg entlassen, hatte er ein großes Bedürfnis nach frischer Luft, so dass er sich auf den Weg zu dem Hirten und seinen Bäumen machte. Elzéard hatte nur noch vier Schafe, aber dafür hundert Bienenstöcke. Schafe fressen Baumsetzlinge, Bienen nicht. Um den Krieg hatte er sich nicht gekümmert. Er hatte unbeirrt Bäume gepflanzt. Die ersten Eichen waren mittlerweile 10 Jahre alt, höher als ein Mann und standen kraftvoll und dicht. Schweigend gingen sie durch den jungen Wald. Er maß elf Kilometer in der Länge und drei Kilometer in der größten Breite. Die Buchen reichten Jean bis zur Schulter und wunderbare Birkenhaine aus zarten, schlanken Bäumchen wuchsen dort, wo der Boden feuchter war.

In Gedanken versunken stieg Jean wieder hinab zu jenem verlassen Dorf, wo er einst vergeblich nach Wasser gesucht hatte. Da hörte er fröhliches Plätschern und traute seinen Augen nicht. Die Quelle, die doch längst versiegt war, hatte wieder zu sprudeln begonnen. Wasser floss durch Bachbette, die viele Jahre trocken gelegen hatten. Des Hirten Wald hatte das Wasser in die kahle Einöde zurückgebracht – und mit ihm die Fruchtbarkeit. Weiden, Wiesen und Blumen entstanden dort, wo einst der heulende Wind über kahle Flächen tobte. Die Veränderung jedoch ging so langsam vor sich, dass sich die Menschen an sie gewöhnten, ohne erstaunt zu sein. Niemand entdeckte das Werk dieses einzelnen Mannes.

Im Jahre 1933 bekam Elzéard Bouffier Besuch eines Forstwartes. Dieser Beamte gab ihm die Weisung, draußen ja kein Feuer zu machen, um das Gedeihen dieses natürlichen Waldes nicht zu gefährden. Damals pflanzte Elzéard gerade Buchen 12 Kilometer von seinem Haus entfernt. Zwei Jahre später kam eine ganze Delegation, um den natürlichen Wald zu besichtigen. Man stellte den Wald unter Staatsschutz und verbot, dort Kohle zu brennen.

Elzéard ignorierte auch den Krieg von 1939, indem er unermüdlich Bäume pflanzte – noch im Alter von 87! Als sich Jean Giono nach vielen Jahren wieder einmal auf den Weg zum alten Hirten machte, erkannte er die Gegend nicht mehr. Das zerfallene Dorf zählte 28 Einwohner. Sie hatten schmucke Häuschen gebaut und mit bunten Gärten umgeben. Statt der trockenen heftigen Winde hörte man sanftes Murmeln: Es war der Wind in den Wäldern Elzéards. Überall sprudelten wieder Quellen – aus den Tiefen empor geholt von den Wurzeln der Bäume. Viele andere Dörfer waren entstanden und die Menschen lebten gut von fruchtbaren Feldern und dem gesunden Vieh auf sattgrünen Weiden. Mehr als 10.000 Menschen verdankten ihr Glück Elzéard Bouffier – ohne es zu ahnen.

 

1970 wollte ein Journalist die Wälder Elzéard Bouffiers besuchen. Er schrieb an Jean Giono, wie er dorthin finden könne. Jean schrieb ihm:

"Lieber Herr, selbst wenn Sie nach Vergons oder Banon oder Le Largne gehen, Sie werden nichts mehr sehen: Seit jener Zeit ist alles verändert und über den Haufen geworfen, um Silos für Atombomben, Schießplätze und mehrere Komplexe von Ölreservoirs anzulegen. Unversehrt blieben nur einige Tannen, wenige Wäldchen von Buchen und Erlen. Sie werden nicht einmal die Spur des Andenkens an Elzéard Bouffier finden. Seien Sie zufrieden mit dem Geist der Sache. Er hat sein Genüge in sich. Herzlich Jean Giono."

 

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Prolog

 

… möge das Leben euch aufgehen, Tür um Tür; möget ihr in euch die Fähigkeit finden, ihm zu vertrauen, und den Mut, gerade dem Schweren das meiste Vertrauen zu geben…

 

Was von uns verlangt wird, ist, dass wir das Schwere lieben und mit dem Schweren umgehen lernen.

Im Schweren sind die freundlichen Kräfte, die Hände, die an uns arbeiten. Mitten im Schweren sollen wir unsere Freuden haben, unser Glück, unsere Träume: da, vor der Tiefe dieses Hintergrunds, heben sie sich ab, da sehen wir erst, wie schön sie sind.

 

Und nur im Dunkel der Schwere hat unser kostbares Lächeln einen Sinn; da leuchtet es erst mit seinem tiefen, träumenden Licht, und in der Helligkeit, die es für einen Augenblick verbreitet, sehen wir die Wunder und Schätze, von denen wir umgeben sind.

 

Und ich möchte euch, so gut ich es kann bitten, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in eurem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben - wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind. Forscht jetzt nicht nach den Antworten, die euch nicht gegeben werden können, weil ihr sie nicht leben könntet. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Lebt jetzt eure Fragen. Vielleicht lebt ihr dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.

 

Rainer Maria Rilke

 

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Aus:

Moltmann, Jürgen:  Die ersten Freigelassenen der Schöpfung,

Verlag Kaiser 1971 / 5.Auflg 76

 

( Elektronisch eingelesen – Fehler möglich)

 

Ich meine den Bereich der Freizeit, der Entspannung, der Unterhaltung und der Kultur, den Bereich zweckfreier Geselligkeit. Mit diesen Bereichen können die Gemeinden ziemlich wenig anfangen. Er wird darum mit theologischen Kursen in Gemeindeseminaren und mit karitativer und sozialer Aktivität ausgefüllt. Dagegen ist, wie die Gesellschaft heute nun einmal aussieht, auch nichts zusagen. Aber Schleiermacher hatte noch eine andere Vision für diese relativ herrschafts- und arbeitsfreien Räume. In seiner »Theorie des geselligen Betragens« (1802) fand er, daß »freie, durch keinen äußeren Zweck gebundene und bestimmte Geselligkeit von allen gebildeten Menschen als eins ihrer ersten und edelsten Bedürfnisse gefordert werde«. Das Ziel der Emanzipation war schon für ihn die herrschaftsfreie, entschränkte Kommunikation zwischen freien Menschen, wie Jürgen Habermas es heute nennt. In dieser zweckfreien Geselligkeit sah er auf der Ebene der Religion und der Kunst das Ziel der Französischen Revolution sich erfüllen, nämlich Brüderlichkeit im Geist der Freiheit auf dem Boden der Gleichheit. Geselligkeit war für ihn das freie Spiel des Geistes, des Gesprächs und der Künste, der produktiven Phantasie und der Freude der Menschen aneinander. Hier erfüllte sich für ihn die politisch nicht realisierbare Demokratie, denn es tritt hier schon an die Stelle der Über- und Unterordnung der politischen Welt jene Wechselwirkung des freien Nehmens und Gebens. Doch gab es, wie er zugab, diese gesellige Demokratie nur in den freien Zirkeln und Salons der sowohl Gebildeten wie Reichen. Zwar hoffte er, wie zitiert, daß die Wissenschaften einmal alle Menschen von der Sklaverei mechanischer Arbeiten befreien werde. Unter den gegebenen Umständen aber sei die freie Geselligkeit nur »wenigen Glücklichen« möglich. Sie können jetzt schon jenes demokratische Reich der Freiheit vorwegnehmen, wo die wahre Religion blüht. Sie repräsentieren damit den Unglücklichen jene Zukunft, für die zu arbeiten es sich lohnen soll. Eine aggressive Kritik an der Arbeitswelt ergab sich aus seiner Vision nicht. Dennoch steckt in ihr etwas, was man nicht preisgeben sollte.

 

 Gehen wir noch einmal kritisch auf die wachsenden Freit-Zeiträume des Menschen in der modernen Gesellschaft ein, so finden wir zunächst, daß sie noch keineswegs der leere Raum für freie Menschlichkeit sind. Denn jene freien Spiele der Entlastung und Entspannung sind gewöhnlich gar keine Alternativen zur Arbeitswelt. Die Entspannung wird durch die Spannung bestimmt und die Entlastungdurch die Lasten. Gewöhnlich spielt man in seiner Freizeit das noch einmal, was man in der Arbeit und im Geschäft erlitten hat, nur eben ohne Zwang und Not. Arbeiter an ratternden Maschinen entspannen sich auf knatternden Motorrädern und bücherlesende und -schreibende Professoren bei Kriminalromanen. Jene ausgleichende und entspannende Geselligkeit ist in Wirklichkeit meistens ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Arbeit der Menschen, die zusammenkommen. Warum redet man sonst so viel vom Geschäft, von der Universität, von Haushaltsproblemen und Kindererziehung? Man kann dann doch nicht abschalten und über etwas ganz anderes sprechen. Die freie Geselligkeit ist nicht frei, sondern ist von der reproduktiven Phantasie ausgefüllt, mit der man sich von seinen praktischen Problemen zu befreien sucht, indem man sie noch einmal durchspricht. Wäre es anders, dann würden Arbeiter Bücher lesen, Professoren Motorrad fahren, und man würde an den Gesprächsthemen einer Gesellschaft nicht sofort die Berufe erkennen, die dort zusammensitzen.

 

Der Schritt von der Reproduktion der Arbeitswelt in der Freizeit zur Produktion neuer Verhältnisse in der Freizeit ist schwer, muß aber gegangen werden, wenn Freiheit wirklich gelebt werden soll. Die Gemeinden sollten den ihnen zufallenden Bereich herrschafts- und arbeitsfreier Zeiten darum nicht nur mit Schulung und moralisch-sozialer Aktivität ausfüllen. Das ist zwar notwendig, aber noch nicht frei. Sie sollten die Möglichkeiten einer schöpferischen Freiheit ausprobieren. Das bedeutet nicht, durch Unterhaltung, Geselligkeit und Spiel nur der Entspannung zu dienen, die aus den Überforderungen des Alltags heraus notwendig ist. Auch das ist wichtig, aber es ist noch nicht frei. Es würde aber heißen, an diesen Stellen Modelle der kreativen Freiheit durchzuspielen. Es würde heißen, nach der reproduktiven Phantasie, die die Vergangenheit aufarbeitet, die produktive Phantasie für die Zukunft anzuregen  und die verdrängte Spontaneität ans Licht zu bringen. Es würde heißen, eine Kultur zu pflegen, die nicht nur gesellschaftlichen Ausgleich bietet, sondern gesellschaftliche Veränderungen vorbereitet, weil sie mit einer nichtautoritären Brüderlichkeit bekannt macht. Der Gottesdienst selbst könnte zur Quelle neuer Spontaneität werden und brauchte nicht länger ein Ort der Hemmungen, Verlegenheiten und Anstandsbemühungen zu sein. Die Gemeinden würden dann zu Experimentierfeldern des Reiches der Freiheit mitten im Reich der Notwendigkeit. Natürlich fragt man nach Beispielen und Rezepten, wie das »zu machen« wäre. Aber Beispiele und Rezepte würden die Spontaneität, die man nicht machen, sondern allenfalls freisetzen kann, nur behindern. Ich habe die Zeichen der befreiten Kirche und der Experimentierfelder des Reiches gesehen: in Ascension Church in EastHarlem, der »liberated churdi« in San Francisco, bei schwarzen Gemeinden in Kenya, bei deutschen Auslandsgemeinden und bei christlichen Gruppen in landeskirchlichen Gemeinden, die durchaus nicht nur aus Jugendlichen bestanden. Man muß es selbst versuchen, um seine Erfahrungen zu machen53.

 

Das Für-Andere-Dasein ist eine Sache. Dietrich Bonhoeffer hat diese Formel verwendet, um das Geheimnis der Stellvertretung Christi und seines Todes für uns auszulegen. Das Für-Andere-Dasein ist auch das Geheimnis der Liebe in denen, die dem Mann aus Nazareth nachfolgen. Das Für-Andere-Dasein ist die Grundstruktur der Kirche Christi, die stellvertretend für die Menschen eintritt und insbesondere jene vertritt, für die keiner sonst eintritt. Das Für-Andere-Dasein ist notwendig zur Befreiung und Erlösung des bedrückten und schuldig gewordenen menschlichen Lebens. Durch Liebe wird Freiheit konkret ausgebreitet. Aus diesem Grundgedanken entstanden die heute überall verwendeten Formeln der Kirche für die Welt und der Kirche für Andere. Aus ihnen sind wiederum die Aktionen hervorgegangen wie Brot für die Welt, Amnestie für die Gefangenen, solidarische Weihnacht, Telefonseelsorge etc. Die Liebe, die am Leiden Anderer leidet und für das Glück Anderer eintritt, ist in der Tat die gegenwärtig notwendige Gestalt der Freiheit mitten in Knechtschaft und Verlassenheit.

 

Aber das Für-Andere-Dasein ist nicht das Letzte, auch nicht das Ziel und noch nicht einmal die Freiheit selbst. Es ist der Weg, wenngleich der einzige Weg, der zum Mit-Anderen-Dasein führt. Daß Christus für uns gestorben ist, hat sein Ziel und seine Zukunft darin, daß er mit uns ist, und wir mit ihm leben, lachen und herrschen werden. Das Für-Andere-Dasein in der stellvertretenden Liebe hat zum Ziel, einmal mit anderen in Freiheit da zu sein. Brot für die Hungernden in der Welt zu geben, hat zum Ziel, einmal mit aller Welt sein Brot zu essen. Wäre das nicht das Ziel, so wäre diese Fürsorge nur eine neue Form von Herrschaft. Kirche für Andere kann leicht zum alten Paternalismus zurückführen, wenn ihr letztes Ziel nicht jenes Reich wäre, wo keiner mehr für den anderen eintreten muß, sondern jeder sich mit jedem und alle zusammen sich freuen können. Das Für-Andere-Dasein ist die Weise der Erlösung des Lebens. Das Mit-Anderen-Dasein ist die Form des erlösten, freien Lebens selbst. Darum sollte sich die Kirche selbst nicht nur als Mittel zum Zweck, als Kirche für die Welt, verstehen, sondern in sich selbst auch schon das freie, erlöste Mit-Anderen-Dasein demonstrieren, dem sie doch dienen will. Die Kirche ist in diesem, aber nur in diesem Sinne, auch schon Selbstzweck; nicht als Kirche mit Hierarchie und Bürokratie, sondern als Gemeinde der Freien. Die Kirche hat in diesem Sinne nicht nur Hilfsfunktionen für die Welt, die im Argen liegt, sondern hat auch selbst schon einen demonstrativen Seinswert. In der erinnerten und erhofften Freiheit Christi dient sie der Befreiung der Menschen, indem sie zugleich selbst diese Freiheit demonstriert und Freude an dieser Freiheit zeigt.

S.76

 

 

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Gehalten

im Raum

 

Wurzeln schlagen

- aus der Hoffnung Weite –

hohe Stille atmen

 

Fundstück bewegender Liebe

 

 

Rz in Taize

 

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Manchmol

 

Manchmol si’mer wia d’Hirta,
losat in d’Nacht nei
und spürat: Do goht’s na.

 

Manchmol si’mer wia dia Wirtsleit in Bethlehem,
voll bis in de letschte Winkel
und hond für s’Wichtigste koin Platz me.

 

 

Manchmol si’mer wia dia drei König,
dia an Himmel nauf luaget
und en Schtern suchat, der s’Leaba verändera ka.

Manchmol si’mer wia s’Pharisäer,
dia alles besser wissat,
lassa mir andre erscht gar it hochkomma.

 

Manchmol si’mer wia Ox und Esel,
ganz do, frogat it lang
und geabat Wärme – oifach so.

 

                                                             Franz  Wohlfahrt

 

Ein religiöser Glaube hat dasselbe Recht wie jede andere ideelle Bewegung, nachdem beurteilt zu werden, was er wirklich will, nicht danach, wie menschliche Schwäche und Erbärmlichkeit das Ideal verfälscht haben.

 

So schrieb einmal der schwedische lutherische Bischof und Islamwissenschaftler Tor Andrea, dem wir einige der feinsten Studien über den Propheten Mohammed wie auch über den früheren Sadismus verdanken. Aus: Die Zeichen Gottes A. Schimmel 1995 C.H. Beck-Verlag

 

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Siehe, ich wusste es sind solche

 

Siehe, ich wusste es sind
solche, die nie den gemeinsamen Gang
lernten zwischen den Menschen;
sondern der Aufgang in plötzlich
entatmete Himmel
war ihr Erstes. Der Flug
durch der Liebe Jahrtausende
ihr Nächstes, Unendliches.

Eh sie noch lächelten
weinten sie schon vor Freude;
eh sie noch weinten
war die Freude schon ewig.

Frage mich nicht
wie lange sie fühlten; wie lange
sah man sie noch? Denn unsichtbare sind
unsägliche Himmel
über der inneren Landschaft.

Eines ist Schicksal. Da werden die Menschen
sichtbarer. Stehn wie Türme. Verfalln.
Aber die Liebenden gehn
über der eignen Zerstörung
ewig hervor; denn aus dem Ewigen
ist kein Ausweg. Wer widerruft
Jubel?

         Rainer Maria Rilke

 

……….


Die Strafe, die ich oft verdient,
Gestehen wir es offen:
Ist sonderbarerweise nie
Ganz pünktlich eingetroffen.

Der Lohn, der mir so sicher war
Nach menschlichem Ermessen,
Der wurde leider offenbar
Vom Himmel auch vergessen.

Doch Unglück, das ich nie bedacht,
Glück, das ich nie erhofft -
Sie kamen beide über Nacht.
So irrt der Mensch sich oft.

 

Mascha Kaleko: Ausgleichende Gerechtigkeit

 

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Die Verheißungen Gottes stehen über uns, gültiger als die Sterne und wirksamer als die Sonne.

Alfred Delp

 

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Schwächen

 

Du hattest keine.

Ich hatte eine:

Ich liebte.

 

Von Berthold Brecht Aus: Gruber /Steins: Mit Gott fangen die Schwierigkeiten erst an

 

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Ich kann meinen Glauben nur bezeugen, wenn ich bereit bin, für andere zu leiden, wie Christus für andere litt.

Ich kann meinen Glauben bezeugen, wenn ich mich durch Misserfolge nicht einschüchtern lasse, wie Christus sich durch den Unglauben der Menschen nicht von seinem Weg abbringen ließ.

Ich kann meinen Glauben nur bezeugen durch die Kraft des Heiligen Geistes, dem Christus uns gibt.

Jesus, Anfänger und Vollender des Glaubens: Oft bin ich kleingläubig; mach mich stark. Ich danke für die Menschen, die meinem Glauben gestärkt haben.

Gibt mir Kraft, damit ich anderen meinen Glauben bezeuge.

Wenn ich mit einer brennenden Kerze andere Kerzen anzünde, nimmt das Feuer nicht ab, vielmehr wird das Licht größer.

Wenn ich einen anderen meinen Glauben bezeuge, wird mein Glauben nicht schwächer, sondern stärker. (Aus Indien)

 

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DANKE AN ALLE
DIE VERSTÄNDNIS ZEIGEN
FÜR MEINEN STOLPERNDEN FUSS
UND MEINE LAHMENDE HAND.
SELIG, DIE BEGREIFEN,
DASS MEIN OHR SICH ANSTRENGEN MUSS
UM AUFZUNEHMEN,
WAS MAN ZU MIR SPRICHT.

DANKE AN ALLE
DIE WISSEN. DASS MEINE AUGEN TRÜB,
UND MEINE GEDANKEN TRÄGE SIND.
SELIG, DIE MIT FREUNDLICHEM LACHEN VERWEILEN,
UM EIN WENIG MIT MIR ZU PLAUDERN.

DANKE AN ALLE
DIE NIEMALS SAGEN
“DAS HABEN SIE MIT HEUTE SCHON ZWEIMAL ERZÄHLT“
SELIG, DIE VERSTEHEN,
ERINNERUNGEN AN FRÜHERE ZEITEN
IN MIR WACHRUFEN.
SELIG. DIE MICH ERFAHREN LASSEN,
DASS ICH GELIEBT, GEACHTET
UND NICHT ALLEIN GELASSSEN BIN.
SELIG DIE MIR IN IHRER GÜTE DIE TAGE;
DIE MIR NOCH BLEIBEN ERLEICHTERN.

            aus Afrika

 

 

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Weitab von der Gefahr rät es sich wunderbar

Zwei Mäuse gingen auf Wanderschaft. Während aber die eine eilig vorausschritt, blieb die andere zurück und wurden von einer Katze gepackt. Da rief die eilige Maus der anderen zu: He, laß sofort die Katze los, wir haben anderes zu tun. (Branstner)

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Machst du den Gegner zum Gespenst, dann ist er das, was du nicht kennst

Die Antilopenmutter warnte ihre Jungen vor dem Tiger und beschrieb ihn, um ganz sicherzugehen, in den schrecklichsten Farben. Als die Kleinen bald darauf einem wirklichen Tiger begegneten, konnten sie das Raubtier nicht in ihm erkennen und wurden ihm zur leichten Beute.

Dabei habe ich sie mehr als genug vor dem Tiger gewarnt, jammerte die Antilope, als die Gazelle ihren Beileidsbesuch machte, ich glaubte, je schrecklicher ich ihnen das Raubtier darstelle, um so schöner würden sie es bei mir finden und brav zu Hause bleiben.

Du hättest sie, entgegnete die Gazelle, besser auf eine Begegnung mit dem Raubtier vorbereiten sollen. (Branstner)

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Ein alter Rabbi fragte einst seine Schüler,

wie man die Stunde bestimmt, in der die

Nacht endet und der Tag beginnt.

Ist es, wenn man von weitem einen Hund

von einem Schaf unterscheiden kann? fragt

einer der Schüler. Nein, sagte der Rabbi...

Es ist dann, wenn du in das Gesicht

irgendeines Menschen blicken kannst und

deine Schwester oder deinen Bruder siehst.

Bis dahin ist die Nacht noch bei uns.( Merkel)

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Wer sich selbst Freund ist, ist auch des Andern Freund

Seneca

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Achte gut auf diesen Tag,

Denn er ist das Leben

Das Leben des Lebens.

In seinem kurzen Ablauf

Liegt alle Wirklichkeit und

Wahrheit des Daseins,

Die Wonne des Wachsens,

Die Größe der Tat,

Die Herrlichkeit der Kraft

 

Denn das Gestern ist nichts als

ein Traum

Und das Morgen nur eine Vision,

Das Heute jedoch recht gelebt

Macht jedes Gestern zu einem Traum

voller Glück

Und das Morgen zu einer Vision

voller Hoffnung

 

Darum achte gut auf diesen Tag

(Sanskrit)

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Die Gefahr, uns in Menschenverachtung hineintreiben zulassen, ist sehr groß. Wir wissen wohl, daß wir kein Recht dazu haben, und daß wir dadurch in das unfruchtbarste Verhältnis zu den Menschen geraten. Folgende Gedanken können uns vor dieser Versuchung bewahren: mit der Menschenverachtung verfallen wir gerade dem Hauptfehler unserer Gegner. Wer einen Menschen verachtet, wird niemals etwas aus ihm machen können. Nichts von dem, was wir im anderen verachten, ist uns selbst ganz fremd. Wie oft erwarten wir von anderen mehr als wir selbst zu leisten willig sind. Warum haben wir bisher vom Menschen und seiner Versuchlichkeit und Schwäche so unnüchtern gedacht? Wir müssen lernen, was sie erleiden, anzusehen. Das einzige fruchtbare Verhältnis zu den Menschen - gerade den Schwachen - ist Liebe, d.h. der Wille, mit ihnen Gemeinschaft zu halten. Gott selbst hat die Menschen nicht verachtet, sondern ist Mensch geworden um der Menschen willen. (Bonhoeffer)

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Fremde

brauchen Freunde.

Wir auch.

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Ein stolzes Schiff streicht einsam durch die Wellen

und führt uns unsre deutschen Brüder fort.

Die Fahne weht die weißen Segel schwellen -

Amerika ist ihr Bestimmungsort.

Seht auf dem Verdeck sie stehen, sich nochmal umzusehen

ins Vaterland, ins heimatliche Grün,

seht, wie sie übers große Weltmeer ziehn.

 

Sie ziehn's dahin auf blauen Meereswogen. Warum verlassen sie ihr Heimatland?

Man hat sie um ihr Leben schwer betrogen,

die Armut trieb sie aus dem Vaterland.

Schauet auf, ihr Unterdrücker,

schauet auf, ihr Volksbetrüger!

Sieht eure besten Arbeitskräfte fliehn,

seht, wie sie über's große Weltmeer ziehn.

 

Sie ziehn's dahin, wer wagt sie noch zu fragen?

Warum verlassen sie ihr Heimatland?

0 armes Deutschland, wie kannst du es ertragen,

daß deine Brüder werden so verbannt:

Was sie hofften hier zu gründen, suchen sie dort

drüben zu finden.

Drum ziehen sie von deutschem Boden ab

und finden in Amerika ihr Grab. (1)

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Wenn wir einen Menschen hassen, so hassen wir in seinem Bildet etwas, was in uns selbst sitzt, was nicht in uns selbst ist, regt uns nicht auf.

(H. Hesse)

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Anleitung zur Erhaltung der Schlagkraft

Viel Feind viel Ehr

 

Feinde

sind zu weit entfernt

und meistens

zu gut gesichert

 

Drum ernenne Freunde

zu Feinden

und schlage ihnen

die Fresse ein

 

Machst du sie dadurch

erfolgreich

zu Gegnern

so kannst du dich rühmen:

 

Ich war der erste

der aufstand

und losschlug

im Kampf gegen sie

(E. Fried)

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Vier Männer, ein Perser, ein Türke, ein Araber und ein Grieche waren unterwegs zu einem fernen Ort.

Sie stritten sich, wie sie das einzige Geldstück, das sie noch besaßen, ausgeben sollten.

Ich möchte angur kaufen, sagte der Perser.

Ich will üzüm , meinte der Türke.

Nein, ich will ainabh , sagte der Araber.

Ach was, sagte der Grieche, wir sollten sta‘fili kaufen.

Ein anderer Reisender, der gerade vorüberkam, sprach sie an: Gebt mir die Münze. Ich werde einen Weg finden, euer aller Wünsche zu befriedigen.

Zuerst wollten sie ihm nicht trauen, dann gaben sie ihm die Münze. Er ging zum Stand eines Obsthändlers und kaufte vier Büschel Weintrauben.

Da ist ja mein angur, sagte der Perser.

Das ist doch genau das, was ich üzüm nenne, rief der Türke.

Sie haben mir ainabh gebracht, sagte der Araber.

Ach was, sagte der Grieche, in meiner Sprache heißt das sta‘fili.

Die Männer ließen jeden Streit sein und teilten sich die Weintrauben.

(Nasrudin)

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Schaffe in uns, o Gott,

ein neues Herz,

das sich nicht betören läßt

durch falsche Feindbilder

und das sich nicht verführen läßt

zu Vorurteil und Haß.

Schaffe in uns ein neues Herz,

das sich auflehnt gegen den Skandal,

daß wir immer mehr aufrüsten

und gleichzeitig immer mehr

Menschen verhungern lassen.

Schaffe in uns, o Gott, ein Herz,

das in Jesus seinen Bruder erkennt,

der furchtlos und kämpferisch die Waffen zerbrach,

der im angeblichen Feind den Bruder entdeckte und zum Widerstand aufrief

gegen die tödliche Ideologie des Besitzes

und der Gewalt,

die diese Gewalt glaubt sichern zu können.

Schaffe in uns ein neues Herz,

das verstehen lernt, was Leben ist,

das sich der Liebe zu öffnen beginnt

und das sich freuen kann an der Welt,

an den Menschen und an dir,

der du alles gegeben hast.

(K.Marti)

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Daß der Unterschied zwischen uns

so groß sein soll, ist eine Illusion.

Ähneln sich nicht unsere Ziele,

suchen wir nicht alle dasselbe?

 

Sicherheit und Geborgenheit,

Liebe und Angenommensein,

gerechten Lohn

für ordentliche Arbeit,

die Freiheit,

eine eigene Meinung zu haben'

und den eigenen Glauben

gestalten zu dürfen.

 

Ist es so schwer,

die zu verstehen,

die leiden wie wir

die suchen wie wir

die hoffen wie wir

und ihnen behilflich zu sein, zu leben?

(Ulrich Schaffer)

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Wir müssen wach sein,

wenn die, die Macht an sich reißen,

alles Fremde verbannen wollen

und nur noch das gelten lassen,

was ihnen bekannt und vertraut ist.

Wenn wir wach bleiben,

gelingt ihnen nicht

die Vereinfachung der Welt,

an der wieder viele sterben,

wie schon so oft.

Wenn wir wach bleiben,

setzen wir ein Zeichen gegen die Blindheit.

 

Wenn wir das Fremde in uns annehmen,

unsere Schatten erkennen,

auch den unseres Volkes und unserer Nation,

wenn wir wagen, Neues zu denken,

und uns nicht halten an die Regeln

der Ausgrenzer, der Schlechtmacher,

der Verächter und Hetzer,

dann können wir zueinander finden.

 

Es geht um Leben und Tod,

auch wenn es manchmal nicht so scheint.

(Ulrich Schaffer)

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Am Sabbatnachmittag kommt der Rabbi aus dem Bethaus nach Hause und vermißt seine beiden Söhne. "Wo sind die beiden Jungen?" fragt er seine Frau. "Sie sind wohl in das Lehrhaus gegangen", antwortet sie. Und als der Mann nach einiger Zeit wieder fragt, entgegnet die Frau: "Sie sind vielleicht zu Freunden. Schon einige Male kamen sie erst später nach Hause!" Doch der Rabbi fragte immer besorgter: "Wo sind meine beiden Söhne?" Die Frau spricht: "Erlaube mir, daß ich dich etwas frage." "Was ist es?" Die Frau erwidert: "Vor einiger Zeit kam ein Fremder zu mir und gab mir ein Pfand, damit ich es gut aufbewahre. Es waren zwei kostbare Perlen von großer Schönheit. Und ich hatte meine helle Freude an ihnen, als wären sie mein Eigentum.. Heute nun, als du im Bethaus warst, ist der Fremde wiedergekommen und hat sein Pfand zurückverlangt. Soll ich es ihm geben?" -- "Wie fragst du nur?" antwortet der Rabbi streng. "Kannst du etwa zögern, ein Gut, das nur anvertraut ist, zurückzugeben?"-- "Nein "antwortet die Frau, "aber ich wollte nicht ohne dein Wissen handeln. Denn auch du hattest dir angewöhnt, das wertvolle Pfand als dein Eigentum zu betrachten!"

Der Rabbi schreit:" Wo sind meine Kinder ?" Da nimmt die Frau ihren Mann an die Hand und führt ihn in die Schlafkammer. Sie hebt die Decke vom Bett. Da liegen die beiden Jungen still und schön. Beide sind tot. Der Rabbi weint und wirft sich über sie. Die Frau aber steht ernst und bleich hinter ihm und blickt herab auf seinen tiefen Schmerz. "Hast du mich nicht geheißen, das Pfand zurückzugeben? Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen. Der Name des Herrn sei gelobt!"

Leib und Leben, Raum und Zeit, Eltern und Kinder, Freunde und Gefährten, alles kostbare Perlen, aber nur anvertraut. Solange wir sie haben, wollen wir sie behutsam aufbewahren, um sie eines Tages in Gottes gute Hand zurückzugeben!

 

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Dass du Gott brauchst, mehr als alles, weist du Allezeit in deinem Herzen; aber nicht auch, daß Gott dich braucht, in der Fülle seiner Ewigkeit? Wie gäbe es den Menschen, wenn Gott ihn nicht brauchte, und wie gäbe es dich? Du brauchst Gott, um zu sein, und Gott braucht dich - zu eben dem, was der Sinn deines Lebens ist. Belehrungen und Gedichte mühen sich mehr zu sagen, und sagen zuviel: welch ein trübes überhebliches Gerede, das vom "werdenden Gott" - aber ein Werden des seienden Gottes ist, das wissen wir unverbrüchlich in unserem Herzen. Die Welt ist nicht göttliches Spiel, sie ist göttliches Schicksal. Daß es die Welt, daß es den Menschen, daß es die menschliche Person, dich und mich gibt, hat göttlichen Sinn.

(Martin Buber)

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So seltsam die anderen

für mich sind,

so seltsam bin ich auch

für die anderen.

So wie ich an ihnen leide,

so leiden sie auch an mir.

 

So verloren ich mich fühle,

wenn ich verachtet werde,

in einem fremden Land,

in einer fremden Sprache,

in Gewohnheiten, die ich nicht kenne,

in Fragen, über die ich nicht nachgedacht habe,

so verloren fühlt sich auch der Mensch,

den ich verachte, weil er in meinem Land fremd ist.

 

Für uns alle

ist die Welt zuweilen fremd.

Es ist nur eine Frage

der Stunde, des Ortes

und der Umstände.

(Ulrich Schaffer)

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Ich will bei der Wahrheit bleiben.

Ich will mich keiner Ungerechtigkeit beugen.

Ich will frei sein von Furcht

Ich will keine Gewalt anwenden

Ich will in jedem zuerst das Gute sehen.

( Mahatma Gandhi)

Fußzeile Hans Reichenzer BC