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Seite 3 

 

 

Es hat alles seine Zeit und alles Tun unter dem Himmel hat seine Stunde.

Geborenwerden hat seine Zeit, Sterben hat seine Zeit.

Pflanzen hat seine Zeit, Ausreißen hat seine Zeit,

Töten und Heilen, Einreißen und Bauen.

Weinen hat seine Zeit und Lachen hat seine Zeit;

Klagen und Tanzen, Steine werfen und Steine sammeln,

Umarmen und Getrenntsein, Suchen und Verlieren;

Behalten und Wegwerfen, Zerreißen und Nähen.

Schweigen hat seine Zeit und Reden hat seine Zeit,

Lieben und Hassen, Streit und Frieden.(Prediger 3,1-8)

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Im übrigen meine ich, daß Gott der Herr, wenn alles ausgeredet,

ausgerechnet, kalkuliert und spekuliert, wenn alles tausendfach

erklärt, bewiesen, aufgesagt und abgeschrieben, widerrufen, neu

behauptet, festgestellt und festgelegt und festgesetzt, und demen-

tiert und falsch betont, hinausposaunt, manipuliert und propagiert

und wahr gesagt, hundertprozentig prophezeit, dokumentiert und

illustriert und korrigiert und vorgeworfen, nachgeworfen, zugerufen,

fest versprochen, Ehrenwort, und eingetrichtert, suggeriert und nach-

gebetet,

und wenn dann alles ausgeredet hat und sprachlos ist,

daß Gott, der Herr, dann

uns immer wieder sagen,

uns immer wieder zeigen möge,

daß nur SEIN WORT

das erste und das letzte Wort ist,

daß unser Tun und Hören

seinem Wort entsprechen möge,

denn seine Sprache ist unser täglich Brot

und unser nächtliches Vertrauen,

sein WORT ist GEIST,

der uns und alle friedlich macht

und freundlich macht,

lebendig macht

und auch unsterblich macht.

(Hans-Dieter Hüsch)

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Wie kommt es nur, daß wir noch lachen,

daß uns noch freuen Brot und Wein,

'daß wir die Nächte nicht durchwachen,

verfolgt von tausend Hilfeschrein.

 

Habt ihr die Zeitung nicht gelesen,

saht ihr des Grauens Abbild nicht?

Wer kann, als wäre nichts gewesen

In Frieden nachgehn seiner Pflicht?

 

Klopft nicht der Schrecken an das Fenster,

rast nicht der Wahnsinn durch die Welt,

siehst du nicht stündlich die Gespenster

vom blutigroten Trümmerfeld - ?

 

Des Tags, im wohldurchheizten Raume:

ein frierend Kind aus Hungerland, des Nachts,

im atemlosen Traume:

ein Antlitz, das du einst gekannt.

 

Wie kommt es nur, daß du am Morgen

dies alles abtust wie ein Kleid

und wieder trägst die kleinen Sorgen,

die kleinen Freuden tagbereit.

 

Die Klugen lächeln leicht ironisch:

ca c'est la vie. Des Lebens Sinn.

Denn ihre Sorge heißt lakonisch:

Wo gehn wir heute abend hin?

 

Und nur der Toren Herz wird weise:

Sieh, auch der große Mensch ist klein.

Ihr lauten Lärmer, leise, leise.

Und laßt uns sehr bescheiden sein.

 

Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln

Den Namen weiß ich nicht. Doch du bist einer

der Engel aus dem himmlischen Quartett,

das einstmals, als ich kleiner war und reiner,

allnächtlich Wache hielt an meinem Bett.

 

Wie du auch heißt - seit vielen Jahren schon

hältst du die Schwingen über mich gebreitet

und hast, der Toren guter Schutzpatron;

durch Wasser und durch Feuer mich geleitet.

 

Du halfst dem Taugenichts als er zu spät

das Einmaleins der Lebenschule lernte.

Und meine Saat, mit Bangen ausgesät,

ging auf und wurde unverhofft zur Ernte.

 

Seit langem bin ich tief in deiner Schuld.

Verzeih mir noch die eine - letzte - Bitte:

Erstrecke deine himmlische Geduld

auch auf mein Kind und lenke seine Schritte.

 

Er ist mein Sohn. Das heißt: er ist gefährdet.

Sei um ihn tags, behüte seinen Schlaf.

Und füg es, daß mein liebes schwarzes Schaf

sich dann und wann ein wenig weiß gebärdet.

 

Gib du dem kleinen Träumer das Geleit.

Hilf ihm vor Gott und vor der Welt bestehen.

Und bleibt dir dann noch etwas freie Zeit,

magst du bei mir auch nach dem Rechten sehen.

(Mascha Kaléko)

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Drei Strophen für das werdende Zeitalter

1.)

Unsere Hoffnung ist zu neu und zu alt -

ich weiß nicht, was uns verbliebe.

 

Wäre Liebe nicht verklärte Gewalt

und Gewalt nicht irrende Liebe.

2.)

Verschwör nicht: "Liebe herrsche allein!"

Magst du's bewähren?

Aber schwöre: An jedem Morgen'

will ich neu um die Grenze sorgen

zwischen Liebestat - ja, und Gewalttat - nein,

und vordringend die Wirklichkeit ehren.

3.)

Wir können nicht umhin,

Gewalt zu üben,

dem Zwange nicht entfliehn,'Welt zu betrüben,

so laßt uns Spruchs bedächtig

'und Widerspruches mächtig,'

gewaltig lieben.

(Martin Buber)

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Der Bagdader Mystiker Schibli starb 945. Nach seinem Tod sah ihn einer seiner Freunde im Traum und fragte: »Wie hat Gott dich behandelt?« Er sagte: »Er hat mich vor Sich gestellt und gefragt: >Abu Bakr, weißt du, weshalb Ich dir vergeben habe?< Ich sagte: >Wegen meiner guten Werke.< Er sagte: >Nein.< Ich sagte: >Weil ich in meiner Anbetung aufrichtig war.< Er sagte: >Nein.< Ich sagte: >Wegen meiner Pilgerfahrt und meines Fastens und meiner Pflichtgebete.< Er sagte: >Nein, nicht deswegen habe Ich dir vergeben.< Ich sagte: >Wegen meiner Reisen, um Wissen zu erwerben, und weil ich zu den Frommen ausgewandert bin?< Er sagte: >Nein.< Ich sagte: >0 Herr, dies sind die Werke, die zur Rettung führen, die habe ich über alles gestellt und bei denen habe ich gedacht, daß Du mir ihretwegen vergeben würdest!< Er sprach: >Doch nicht um all dieser Dinge willen habe Ich dir verziehen!< Ich sagte:

>0 Herr> weshalb denn?< Er sprach: >Erinnerst du dich, wie du durch die Gassen von Bagdad gingest und ein Kätzchen fandest, das vor Kälte ganz schwach geworden war und von Mauer zu Mauer lief, um Schutz vor der schneidenden Kälte und vor dem Schnee zu suchen, und du hast es aus Mitleid aufgehoben und in den Pelz gesteckt, den du trugst, und hast es so vor der Qual der Kälte geschützt?< Ich sagte: >Ja, ich erinnere mich.< Er sprach: >Weil du mit dieser Katze Erbarmen hattest, darum habe Ich Mich deiner erbarmt.«

A. Schimmel Die arabische Katze (aus Watzlawik Vom schlechten des Guten)

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Die Geschichte von der Sehnsuchtsvollen"

 

Auf einer meiner nächtlichen Wanderungen   es wird schon vier Monde her sein - traf ich einer alten Mann der stand am Fluß und blickte unverwandt in die Ferne. Ich gesellte mich zu ihm, und nach einer Weile kamen wir ins Reden über das Leben, die Liebe und das Leid. Seine Geschichte ging so:

,,Ich habe eine Tochter, die hat mein Leben verändert", begann er. ,,Sie lebte noch in meinem Haus, als sie schon erwachsen war, und eines Abends bemerkte ich, daß sie jeden Abend zur gleichen Zeit das Haus verließ und den Weg hinunter zum Fluß ging. Nach einer Weile kehrte sie zurück, und so ging das Abend für Abend. Als sie wieder einmal zurückkam, rief ich sie. ,Es ist gut, was du tust', sagte ich, denn ich liebte sie, ,aber was tust du?' ,Ich sehne mich', antwortete sie und lächelte.

Als nun die Zeit kam, da sich Männer um sie bewarben und mich fragten, was meine Tochter für eine Frau sei, antwortete ich immer neben diesem und jenem, sie sei eine, die sich sehne. Der erste, der zu ihr zog, war eine Erfolgreicher, der es zu etwas gebracht hatte im Leben. Wie er bemerkte, daß seine Frau jeden Abend das Haus verließ, fragte er sie, was mit ihr sei, und sie antwortete: ,Ich sehne mich.' Und er wieder: ,Wonach sehnst du dich?' Doch da lächelte sie und schwieg. Er aber dachte bei sich: ,Sie wird sich nach einem angenehmen Leben sehnen', baute das Haus größer, ließ neue Möbel kommen und schaffte ihr Bedienung heran, damit sie es leichter habe im Leben. Doch wie sehr er sich auch mühte und heranschaffte, jeden Abend ging sie hinunter zum Fluß. Da verließ er sie enttäuscht: ,Sie ist eine, die immer unzufrieden ist; nichts reicht ihr aus.' Eine Zeit später zog der zweite Bewerber zu ihr und hatte wohl von den Erlebnissen des ersten gehört. Auch er erhielt von ihr auf seine Frage, was sie zum Fluß treibe, die Antwort: ,Ich sehne mich.' Und als er fragte wonach, schwieg sie wieder. Da glaubte er sie sehne sich nach Zärtlichkeit und nach milden Worten. Und er war immer für sie da, sprach mit ihr, las in ihren Augen die Wünsche und ging mit ihr um, wie es nur wenige zu tun vermögen. Doch wenn der Abend kam, ging sie wieder den Weg hinunter zum Fluß. Erschöpft verließ er sie: ,Sie ist eine Undankbare.' Wieder wenig später zog der dritte Bewerber ein. Dem hatten die beiden anderen von ihrem Schicksal erzählt. Als er sie nun nach Tagen fragte, warum sie hinunter zum Fluß ginge, und sie ihm antwortete, sie sehne sich, da beließ er es dabei, drang nicht weiter in sie und sprach bei sich: ,Sie wird es brauchen, sie ist ,eben anders', hoffte aber wohl insgeheim, daß es irgendwann sein Bewenden damit haben würde. Wochen, Monate und Jahre zogen ins Land, und nie ließ ihn die Frage los, wonach sie sich denn wohl sehne, doch hütete er sich, diese Frage zu stellen. Und weil er, was er fragen wollte, nicht zu fragen wagte, wurde er wirr und verließ sie mit den Worten:

,Sie ist eine andere."'

Jetzt seufzte der alte Mann, und ich merkte, daß er mit seiner Geschichte noch nicht zu Ende gekommen war, aber Kraft schöpfen mußte, um fortzufahren. ,,Es kam noch einer" , begann er wieder, ,,den kannte keiner, und ob er wußte, was vorgefallen war, weiß ich nicht. Der warb um sie und wurde erhört, zog zu ihr und lebte mit ihr ganz still. Wie es aber Abend wurde und sie das Haus verließ, den Weg hinunter zum Fluß, da beeilte er sich, an ihre Seite zu kommen, berührte sie leicht, ging wortlos neben ihr her bis hinunter zum Fluß und stand mit ihr dort., Gemeinsam kehrten sie zurück, Hand in Hand. So geht das jeden Abend, schon sehr lange Zeit."

,,Aber wonach hat sie sich denn gesehnt?" fuhr es aus mir heraus. Da blickte mich der alte Mann lange an, als müsse er noch einmal neu nachdenken, und sagte dann leise: ,,Sie sehnte sich wohl danach, daß sich einer mit ihr sehnt." Dann ging er langsam fort in die Nacht hinein.

( Herbert A. Gornik Das kleine Buch vorn Hoffen Chnstophorus- Verlag)

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"Als Rabbi Bunan die Paradiesgeschichte auslegt, wurde er von seinen Schülern gefragt, worin denn die Strafe der Schlange besteht, die doch nur gesagt bekommt, daß sie Erde fressen soll ein Leben lang. Erde gebe es schließlich genug. Ob sie denn da ausgesorgt habe? Genau das, antwortete der Rabbi: Sie hat nie um etwas bitten müssen. Das ist ihre Strafe."

(In J.Gohde Solidarität und Solidität)

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Gebet

Friede den Menschen, die bösen Willens sind,

und ein Ende aller Rache

und allen Reden über Strafe und Züchtigung.

Die Grausamkeiten spotten allem je Dagewesenen,

sie überschreiten die Grenzen menschlichen Begreifens,

und zahlreich sind die Märtyrer.

Daher, o Gott,

wäge nicht ihre Leiden auf den Schalen

deiner Gerechtigkeit,

fordere nicht grausame Abrechnung,

sondern schlage sie anders zu Buche:

Lass sie zugute kommen allen Henkern,

Verrätern und Spionen

und allen schlechten Menschen,

und vergib ihnen

um des Mutes und der Seelenkraft der andern willen.

All das Gute sollte zählen, nicht das Böse.

Und in der Erinnerung unserer Feinde

sollten wir nicht als ihre Opfer weiterleben,

nicht als ihr Alptraum und grässliche Gespenster,

vielmehr ihnen zu Hilfe kommen,

damit sie abstehen mögen von ihrem Wahn.

Nur dies allein wird ihnen abgefordert,

und dass wir, wenn alles vorbei sein wird,

leben dürfen als Menschen unter Menschen,

und dass wieder Friede sein möge auf dieser armen Erde

den Menschen, die guten Willens sind,

und dass dieser Friede auch zu den andern komme.

(Gebet aus dem Frauen - KZ Ravensbrück

In: EKG S.226)

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Wenn einer fortgeht, muß er den Hut

mit den Muscheln, die er sommerüber

gesammelt hat, ins Meer werfen

und fahren mit wehendem Haar,

er muß den Tisch, den er seiner Liebe

deckte, ins Meer stürzen,

er muß den Rest des Weins,

der im Glas blieb, ins Meer schütten,

er muß den Fischen sein Brot geben

und einen Tropfen Blut ins Meer mischen,

er muß sein Messer gut in die Wellen treiben

und seinen Schuh versenken,

Herz, Anker und Kreuz,

und fahren mit wehendem Haar!

Dann wird er wiederkommen.

Wann?

 

Frag nicht.

 

(I. Bachmann )

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Das Palaver

 

Nelson Mandela, der Südafrikaner vom Volk der Xhosa, aus der Gruppe der Thembu -und alle Zugehörigkeiten sind wichtig -, gibt in seiner schon erwähnten Autobiographie eine sehr eindringliche und lehrreiche Beschreibung eines Palavers. Bei seiner Gruppe konnte jeder Mann an einem solchen Palaver teilnehmen, zu dem der König eingeladen hatte, und an dem selbstverständlich auch die Ratgeber des Königs teilnahmen. Zu Beginn erklärte der König, welches Problem bei diesem Treffen besprochen werden sollte. Dann schwieg er bis zum Ende der Versammlung, sogar dann, wenn er persönlich kritisiert wurde. jeder durfte seine Meinung äußern, und folglich dauerten solche Treffen recht lang. »Die Zusammenkünfte dauerten so lange, bis irgendeine Art von Konsens erreicht war. Ein Treffen konnte nur in Einstimmigkeit enden oder überhaupt nicht. Einstimmigkeit konnte allerdings auch darin bestehen, daß man darin übereinstimmte, nicht übereinzustimmen, und zu warten, bis die Zeit günstiger war, um eine Lösung vorzuschlagen.« (44) Wie Mandela sehr richtig anmerkt, ist dies eine afrikanische Form der Demokratie und zwar eine solche mit absolutem Minderheitenschutz.. Mehrheitsentscheidungen sind in einem solchen System verpönt. Erst gegen Abend versuchte dann der König, die Meinungen zusammenzufassen und eine Übereinstimmung herbeizuführen, Gelang dies nicht, gab es ein weiteres Treffen zum gleichen Thema. Natürlich hat bei einem solchen System der Regent, wenn er klug und geschickt ist, am Ende Einflußmöglichkeiten. Und ein kluger Mann muß Thembu-König Jongintaba (zu deutsch: »Einer, der den Berg anschaut,<), der in Mandelas Jugendjahren regierte, gewesen sein. Denn seine eigene Funktion faßte er gegenüber seinem Adoptivsohn sehr geistreich zusammen »Ein Führer ... ist wie ein Hirte. Er hält sich hinter der Herde und läßt die Flinksten vorweggehen, woraufhin die anderen folgen, ohne zu erkennen, daß sie die ganze Zeit von hinten gelenkt werden." (45)

 

Eine Gesellschaft, die auf Solidarität und das Wohl der Gemeinschaft ausgerichtet ist, die praktisch vom dritten Lebensjahr an in diese Richtung erzieht, die im Palaver den Konsens aller sucht und auch Kleinkönigen und Königen kein Alleinentscheidungsrecht einräumt, ist eine Gesellschaft, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. 

(J.Collin: Tchop-plew-pot  S. 73)

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MANCHMAL  WÜNSCHE  ICH  MIR

 

Manchmal wünsche ich mir

durch Felder und Wiesen zu laufen,

stundenlang,

ohne Uhr, ohne Ziel,

ohne euch,

nur mit mir,

mit meinen Gedanken,

meinem vernachlässigten Innenleben.

 

Manchmal wünsche ich mir

auszubrechen

aus der Enge,

aus der Vielzahl der Pflichten

für ein paar Stunden.

 

Manchmal wünsche ich mir

gegen den Wind zu laufen,

seine Frische zu spüren

und in der Sonne auszuruhen,

ihre Kraft und Wärme aufzunehmen.

 

Manchmal wünsche ich mir

ein Stückchen Freiheit

für wenige Stunden.

 

Ich käme zurück

mit vollen Händen,

mit Sonne und Wind,

den Arm voller Blumen

für euch.

( Anne Steinwart )

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FÜR  EINEN  NEUEN  TAG

 

Die Glut des Abends,

die sich leis verströmte,

in grauen Wolken

mildes Licht entfacht.

Im dem der Himmel

und die Erde sich versöhnen,

gemeinsam hüllen

in das Tuch der Nacht.

Das alles deckt,

auch das, was schmerzte

im grellen Licht des Tags,

was bitter war.

Sei still und lösch das Licht der Kerze

und hol im Traum die Kraft

für einen neuen Tag

( Juliane Sobing )

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Ich wünsche dir Zeit

 

 

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.

Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:

Ich wünsche dir Zeit, dich zu  freun und zu lachen,

und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.

 

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,

nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.

Ich wünsche dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,

sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

 

Ich wünsche dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.

Ich wünsche, sie möge dir übrig bleiben

als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,

anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

 

Ich wünsche dir Zeit, nach den  Sternen zu greifen,

und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.

Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.

Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

 

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,

jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.

Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.

Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!

 

Elli Michler

 

Aus: Elli Michler: Dir zugedacht, Wunschgedichte, © Don Bosco Verlag, München, 19.Aufl. 2004

www.ellimichler.de

Vielen Dank, für die nachträglich freundliche Genehmigung des Abdrucks!

 

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Mit seiner Lehre vom Selbstseinkönnen als Gabe der Begegnung mit anderen erreicht Buber von Jüdischen Voraussetzungen her das, was zuvor nur Kierkegaards Christologie in Aussicht gestellt hatte: einen Begriff von der Chance unverhärteter Selbsthaftigkeit - jenseits der Verfluchung zur Selbsterhaltung.

Peter Sloterdike

 

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Alle Politiker bewegen sich zu wesentlichen, um auf der Grundlage der Persönlichkeit miteinander zu konkurierenund wer am besten am besten fähig ist diese Stellung in Ökonomie und gesellschaftlichen Bedürfnissen zu vertreten, um die Konkurenzfähigkeit des globalen Marktes zu ertragen........ 

Das Konzept einer möglichen alternativen Ökonomie und Gesellschaft ist ausgeschlossen 

Rober Cox

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Der Nachweis ästhet/hischer Valenzen in der Struktur des Ästhetischen und im aktuellen ästhetischen Bewußtsein führt schließlich auch zu einer Forderung an die Disziplin namens Ästhetik. Sie sollte die ästhetische Reflexion nicht in allzu konventioneller Manier - auf den schönen Schein des Ästhetischen zurückstutzen, sondern sich daranmachen, die ästhet/hischen Dimensionen des Ästhetischen zu erkennen und als Ferment der Kultur zur Geltung zu bringen. Erst dann diente sie im kulturellen Haushalt nicht bloß der Kompensation, sondern auch der Korrektur.

S. 134 GdÄ  Wolfgang Welsch

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Schwer verlässt

was nahe dem Ursprung wohnet, den Ort.

Hölderlin

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Wir essen Brot, aber wir leben vom Glanz.

(Nach Hilde Domin)

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Zu Weihachten

 

Sieh umher,

sieh dich um,

ob du die kleine Hoffnung entdeckst,

gewickelt, aber nicht eingewickelt,

geboren, aber nicht konstruiert,

lebendig - und nicht tot zu kriegen,

Denn klein ist der Keim

aller Hoffnung, und

bevor der Baum blüht und Früchte trägt

wird er gepflanzt im Acker unserer Sehnsucht

für den Frieden und die Gerechtigkeit.

 

Sieh umher,

sieh dich um,

in dich hinein

ob in dir diese Hoffnung keimt,

und Frieden eine ansteckende Gesundheit ist

für dich - und die, mit denen du lebst.

Dann siehe:

 

Das Volk, das im Finstern wandelt,

sieht ein großes Licht,

über denen, die da wohnen im finstern Lande,

scheint es hell.

 

Dona nobis pacem                           (Jesaja 9 nach Hüsch)

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Es weiß keiner von uns, was er wirkt und was er Menschen gibt.

Es ist verborgen und das soll es bleiben.

Manchmal dürfen wir ein klein wenig davon sehen, um nicht mutlos zu werden.

Albert Schweitzer

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Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes?

 

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch keine andere Kreatur kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, unserem Herrn

Röm 8.31ff

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Erfolg

 

Mache dich nicht von der Hoffnung auf Erfolge abhängig.

Bei der Arbeit, die du auf dich genommen hast,

musst du dich möglicherweise der Tatsache stellen,

dass deine Arbeit wertlos zu sein scheint

und du überhaupt nichts erreichst

und vielleicht sogar das Gegenteil

dessen eintritt, was du erwartest.

Sobald du dich an diesen Gedanken gewöhnt hast,

beginnst du, dich zunehmend

nicht auf die Erfolge zu konzentrieren,

sondern auf den Wert, die Richtigkeit

und die Wahrheit der Arbeit selbst.

Und auch dort muss sehr viel durchgestanden werden,

da du dich immer weniger für eine Idee

und immer mehr für konkrete Menschen einsetzt.

Der Handlungsbereich wird enger, aber sehr viel realer.

Am Ende ist es die Wahrheit persönlicher Beziehungen,

die alles rettet.

 

(Thomas Merton)

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Nichts ist schwerer

und erfordert mehr Charakter,

als sich in offenem Gegensatz

zu seiner Zeit zu befinden

und laut zu sagen:

Nein!

 

(Kurt Tucholsky )

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"Wenn der Traum zerbrochen ist", so sagt uns Dietrich Bonhoeffer, "und wenn wir dann immer noch bleiben können, dann können wir Gemeinschaft bilden, Gemeinschaft sein." Bonhoeffer hat damit vom Traum der Sicherheit, der Stabilität und des ruhigen Friedens untereinander gesprochen, der zuerst zerbrechen muss, bevor wir wirklich in Gemeinschaft leben können.

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Nicht nur für diesen Krieg, sondern für jegliche Gewalt gilt die Erkenntnis, die Martin Luther King bereits 1967 formulierte:

 

"Eines Tages werden wir einsehen müssen,

dass der Friede nicht bloß ein fernes Ziel ist,

das wir suchen, sondern dass er ein Mittel ist,

durch das wir zu jenem Ziel gelangen.

Wir müssen friedliche Zwecke

mit friedlichen Mitteln verfolgen."

 

(Martin Luther King)

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Wer das Dorf , aus dem er kommt nicht kennt, wird das Dorf, das er sucht, nie finden!

Altes chin. Sprichwort

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"Lasst uns Datteln pflanzen, auch wenn jene,

die sie pflanzen, sie nie essen werden.

 

Wir müssen leben aus der Liebe zu dem,

was wir nie sehen werden.

 

Dies ist die geheime Disziplin.

 

Sie bedeutet abzulehnen,

dass die schöpferische Kraft geschwächt wird,

indem sie beschränkt wird

auf das augenblickliche Erleben.

Und sie bedeutet,

eine sture Verpflichtung gegenüber

der Zukunft unserer eigenen Enkel.

 

Eine in dieser Weise geschulte Liebe ist es,

die Propheten, Revolutionären

und Heiligen die Kraft gegeben hat,

zu sterben für die Zukunft,

die sie vor sich sahen."

 

(Ruben Alves)

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Ich werde da sein,

indem ich nicht da bin.

J. Bachmann

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Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

Vaclav Havel

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Ich lobe den Tanz

 

Ich lobe den Tanz, denn er befreit
den Menschen von der Schwere der Dinge,
bindet den Vereinzelten zu Gemeinschaft.

Ich lobe den Tanz, der alles fordert
und fördert, Gesundheit und klaren Geist
und eine beschwingte Seele.

 

Tanz ist Verwandlung des Raumes, der Zeit,
des Menschen, der dauernd in Gefahr ist, zu zerfallen,
ganz Hirn, Wille oder Gefühl zu werden.

 

Ich lobe den Tanz ...
O Mensch lerne tanzen, sonst wissen die Engel
im Himmel mit Dir nichts anzufangen.

 

Aurelius Augustinus zugeschrieben

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In der Nacht

der Ungewissheit

bricht Licht sich Bahn

behutsam und zärtlich

Erde und Menschen

berührend

Ein Gott sich mit auf menschliche Weise

Nacht bleibt Nacht

doch sie hat

ihren Schrecken verloren

und Lichter

so klein sie auch sind

geben Kund

von diesem Ereignis

dass der Himmel

die Erde berührt

(Roland Schönfelder) (Vier Türme Verlag)

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Das Thema »Theologie der Diakonie« hat im Lutherischen Weltbund im Umkreis der VII. Vollversammlung in Budapest 1984 für Schlagzeilen gesorgt; erst damals drang es in das Bewußtsein einer weiteren Öffentlichkeit, daß lutherische Theologen in Ungarn mit diesem Stichwort die Aufgabe der Kirche in einem sozialistischen Land programmatisch zu erfassen gesucht hatten. Darüber war es zu Konflikten in der ungarischen Kirche selbst, vor allem aber zwischen im Exil lebenden Ungarn und der Leitung der Lutherischen Kirche Ungarns gekommen. Der Konflikt berührte nicht nur die Frage, mit welcher theologischen Perspektive die Kirchen in den sozialistischen Staaten ihren Auftrag verstehen und wahrnehmen sollten. Er erwies sich letztlich als eine Anfrage an das Selbstverständnis der lutherischen Kirchen überhaupt - ja an die Ökumene: im Blick auf den Auftrag, die Reichweite und die Grenzen des Dienstes der christlichen Kirche und Gemeinde in der modernen, säkularisierten Welt.

Der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Bischof Josiah M. Kibira, der sein Amt während der Konferenz in Budapest an den ungarischen Bischof Zoltän Käldy weitergab, nahm auf die aufgeworfenen Fragen Bezug: »Um nicht leiden zu müssen, sind lutherische Kirchen wie andere versucht, Spiegelbild ihrer Gesellschaft statt ihr Salz zu werden. ... Wir wollen einander nicht beschuldigen, sondern einander durch unser Zusammenstehen Mut machen, die Gesellschaft, in der wir zu leben haben, auf legitime Weise herauszufordern!«'

Bereits während der Vollversammlung in Budapest wurden Überlegungen über die Form des Studiums der anstehenden Fragen angestellt. Dabei war von Anfang an klar, daß es darum gehen müßte, über die Entwicklungen in Ungarn hinaus unterschiedliche Erfahrungen und Erkenntnisse in Bezug auf die Diakonie und ihre theologische Begründung aufeinander zu beziehen. Eine europäische Regionalstudie erwies sich als der sinnvolle Rahmen, die mit einer »Theologie der Diakonie«

 

1   J. Kibira, Eröffnungsansprache, in: Budapest 1984. »In Christus - Hoffnung für die Welt«.

Offizieller Bericht der Siebenten Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes, Budapest, Ungarn, 22. Juli - 5. August 1984, hrsg. v. C. Mau, LWB-Report Nr. 19/20, Stuttgart

1985, S.17.

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Das neue Jahr steht mit

seinen Forderungen vor uns,

und gehen wir auch gebeugt

hinein, so gehen wir doch auch

nicht mit ganz leeren Händen

unseren Weg, denn wir wollen

mit uns nehmen:

die Erinnerung an die bangen

Zweifel, die beruhigt wurden,

an die frohe Hoffnung,

die nicht beschämt wurde.

 

Sören Kierkegaard

 

 

Gebet (von Sören Kierkegaard, in: Gebete, Hg.: W. Rest, Köln Olten 1952, S. 63)

Wieder ist ein Jahr vergangen, himmlischer Vater!

Wir danken Dir dafür, daß es zur Zeit der Gnade gelegt ward und erschrecken nicht davor, dass es auch zur Rechenschaft vorgelegt werden soll; denn wir vertrauen auf Deine Barmherzigkeit.

Das neue Jahr steht mit seinen Forderungen vor uns; und gehen wir auch gebeugt und bekümmert hinein, weil wir nicht den Gedanken an der Augen Lust, die betörte, verheimlichen können und wollen, an die Süße der Rache, die verführte; an den Zorn, der uns unversöhnlich machte, an das kalte Herz, das weit von Dir wegfloh;

so gehen wir doch auch nicht ganz mit leeren Händen hinein; denn wir wollen auch sie mitnehmen: die Erinnerungen an die bangen Zweifel, die beruhigt wurden, an die stillen Bekümmerungen, die getröstet wurden, an den niedergebeugten Sinn, der aufgerichtet wurde, an die frohe Hoffnung, die nicht beschämt wurde.

Ja, wenn wir in sorgenvollen Augenblicken unser Herz durch den Gedanken an die großen Gestalten stärken und aufrichten wollen, Deine auserwählten Werkzeuge, die in schweren Anfechtungen, in der Angst des Herzens den Sinn frei behielten, den Mut ungeschwächt, den Himmel offen, so wollen auch wir dazu unser Zeugnis ablegen in der Überzeugung, daß unser Mut im Vergleich mit jenen nur Mißmut ist, unsere Macht nur Ohnmacht, während Du derselbe bist, derselbe gewaltige Gott, der die Geister im Streit erprobt, derselbe Vater, ohne dessen Willen nicht ein Sperling zur Erde fällt.

Amen.

 

Sören Kierkegaard

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Ich wünsche Dir,

daß Dich auf all Deinen Wegen

ein Engel begleitet,

und Dir das Licht zeigt,

das Dein Leben hell macht.

Er behüte Dich in allem,

was Dich beängstigt und bedroht,

und er bewahre Dich vor

einem Übermaß an Leid.

Er tröste und heile Dich

und stehe Dir bei, wie Du

es brauchst,

heute und morgen.

Möge Dir in Deinem Engel

Gottes Nähe und Macht begegnen.

 

Aus Begleitet und Behütet Styler Missionsschwestern Laupheim

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Gott sei mit dir

beim Anbruch des Morgens,

dass du gespannt und erwartungsvoll

dem entgegenblickst,

was dir dieser Tag abverlangt

und was er dir schenken will.

 

Gott sei mit dir

in allem, was du tust,

dass deine Arbeit fruchtbar sei

und durch dein Wirken hindurch

etwas spürbar wird

von Gottes Frieden und Liebe.

 

Gott sei mit dir

in den Stunden der Muße,

dass du Ruhe und Frieden findest in dir selbst

und dir neue Kräfte zuwachsen für dein Tun.

 

Gott sei mit dir

wenn die Nacht anbricht,

dass du dankbar zurückschauen kannst

auf die Lust und Last des vergangenen Tages

und gewiss sein kannst,

dass nichts vergeblich war.

 

Christa Spilling-Noker

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"Es gibt Christen, die glauben an das Chaos und an die Katastrophe als den Sinn des gegenwärtigen Geschehens und entziehen sich in Resignation und frommer Weltflucht der Verantwortung.

So soll es nicht bei uns sein.

Mag sein, dass der Jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gerne die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht."

 

(Dietrich Bonhoeffer)

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"Ich gebe meiner Seele bald dieses Gesicht und bald jenes, je nachdem, auf welche Seite ich mich wende. Alle Widersprüche finden sich in mir, je nach Gesichtswinkel und Umständen. Schamhaft und unverschämt; keusch und geil; geschwätzig und schweigsam; tatkräftig und zimperlich; geistreich und blöde; mürrisch und leutselig; lügnerisch und wahrhaftig; kenntnisreich und unwissend, freigebig und geizig und verschwenderisch, von alledem finde ich etwas in mir, je nachdem ich mich drehe; und wer immer sich aufrecht prüft, wird in sich, je sogar in seinem Urteile über sich selbst, diese Unstetigkeit und Unstimmigkeit vorfinden. Ich habe von mir selbst nichts Ganzes, Einheitliches und Festes, ohne Verworrenheit und in einem Gusse auszusagen, („.) Wir sind alle aus lauter Flicken und Fetzen und so kunterbunt unförmlich zusammengestückt, daß jeder Lappen jeden Augenblick sein eigenes Spiel treibt. Und es findet sich ebensoviel Verschiedenheit zuwischen uns und uns selber wie zwischen uns und anderen."

 

Michel de Montaigne, 1580

 

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Ich möchte jetzt
ein Glas erheben,

um auf dich
auf deine Gesundheit;
auf deine Fähigkeiten
und Möglichkeiten
zu trinken.

Ich sage dazu:
“Le chajim“
das ist hebräisch
und heißt auf deutsch:
„Auf das Leben!“

Denn-
„Leben“ wünsch ich dir.

 

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Zeit,

um glücklich

zu sein

Guten Tag, meine Liebe,

nimm dir Zeit, um glücklich zu sein!

Du bist ein Wunder, das lebt,

das auf dieser Erde wirklich ist.

Du bist einmalig, einzigartig,

nicht zu verwechseln.

Weißt du das?

Warum staunst du nicht,

bewunderst du nicht,

freust du dich nicht

über dich selbst

und über alle anderen um dich?

Ist es dir'so selbstverständlich,

findest du nichts dabei,

daß du lebst,

daß du leben darfst,

daß du Zeit bekommst,

um zu singen und zu tanzen,

Zeit, um glücklich zu sein?

 

Warum denn Zeit verlieren

mit sinnlosem Jagen nach Geld?

Warum sich haufenweise Sorgen machen

um Dinge von morgen und übermorgen?

Nimm dir ruhig Zeit, um glücklich zu sein.

 

Zeit ist keine Schnellstraße

zwischen Wiege und Grab,

sondern Platz zum Parken in der Sonne.

 

Heute leben!

Heute lächeln!

Heute glücklich sein!

Dein Herz mach frei.

Deine Lebensfreude und dein Glück

brauchen nicht abhängig zu sein

von tausendundeiner Nichtigkeit.

 

Bossmanns

 

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Lieber lebendiger Gott
unser Vater im Himmel, segne dich.

 

Er erfülle dein Herz mit Freude
und nehme die Sorgen von dir.

 

Gott sei dir nahe
auf all deinen Wegen.

 

Seine Liebe erfülle dein Leben
mit Frieden und Glück.

 

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1. Preisend mit viel schönen Reden |:ihrer Länder Wert und Zahl:|

saßen viele Deutsche Fürsten einst zu Worms im Kaiser Saal

2. Herrlich sprach der Fürst zu Sachsen |:„ist mein Land und seine Macht:|

Silber hegen seine Berge |:wohl in manchem tiefen Schacht:|

3. „Seht mein Land in Üppiger Fülle“ |:sprach der Kurfürst von dem Rhein:|

„goldne Saaten in den Tälern |:auf den Bergen edler Wein :|

4. Große Städte reiche Klöster |:Ludwig Herr zu Bayern sprach:|

„schaffen, dass mein Land dem Euren |:wohl nicht stehn an Schätzen nach:|

 

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Früh in der Kindheit sah ich die ersten Schneeschaufler in dünnen schäbigen Kleidern. Auf meine Frage wurde mir geantwortet das seien Männer ohne Arbeit denen man diese Beschäftigung gäbe damit sie sich ihr Brot verdienten. Recht geschieht ihnen dass sie Schnee schaufeln müssen rief ich wütend aus, um Sogleich fassungslos zu weinen. Adorno 362

 

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Und suchst du meine Sünde,

flieh ich von dir zu dir,

Ursprung, in den ich münde,

du fern und nah bei mir.

 

Wie ich mich wend und drehe,

geh ich von dir zu dir;

die Ferne und die Nähe

sind aufgehoben hier.

 

Von dir zu dir mein Schreiten,

mein Weg und meine Ruh,

Gericht und Gnad, die beiden

bist du - und immer du.

 

Schalom Ben-Chorin, EG 237

 

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Gerechtigkeit zahlt sich nicht aus. Das ist gut so! Für Gerechtigkeit besteht eine Andre Währung. Liebe.

rz

 

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Die drei Steine

 

"Wie lange kann ich noch leben

wenn mir die Hoffnung

verloren geht?"

frage ich die drei Steine

 

Der erste Stein sagt:

"Soviel Minuten du

deinen Atem anhalten kannst unter Wasser

noch soviel Jahre"

 

Der zweite Stein sagt:

"Ohne Hoffnung kannst du noch leben

solange du ohne Hoffnung

noch leben willst"

 

Der dritte Stein lacht:

"Das hängt davon ab was du

noch Leben nennst

wenn deine Hoffnung tot ist"

 

(Erich Fried)

 

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Eine unserer größten Tragödien besteht darin,

            dass wir nur selten den Abgrund

            zwischen Bekennen und Handeln überbrücken,

            zwischen Worten und Taten.

            Eine andauernde Schizophrenie

            wirft viele von uns

            in eine leidvolle innere Zerrissenheit.

            Auf der einen Seite bekennen wir

            uns stolz zu edlen und hohen Prinzipien,

            auf der andern tun wir das Gegenteil.

            Unser Leben leidet oft an zu hohem Bekenntnis-Blutdruck

            und an gleichzeitiger Taten-Blutarmut.

            Wir reden wortreich von unserer Ergebenheit für das Christentum,

            und doch ist unser Leben voller heidnischer Taten.

            Wir verkünden unsere demokratische Überzeugung

            und handeln diktatorisch.

            Wir reden leidenschaftlich vom Frieden

            und bereiten uns eifrig auf den Krieg vor.

            Wir reden schwärmerisch vom hohen Pfad der Gerechtigkeit

            und gehen unberührt den niedrigen Weg der Ungerechtigkeit.

            Diese seltsame Zweigleisigkeit,

            dieser schmerzliche Abgrund zwischen Idee und Wirklichkeit,

            ist das Thema des menschlichen Leidensweges. 

 

                                                           (Martin Luther King)

 

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Regeneration

 

Meine Hoffnung sind die vielen,

die bisher stumm geblieben sind,

die Zornigen, die sich empören,

sind die Spinner,

die ganz andere Träume wagen.

Mitten in der schlechten Gegenwart,

die von Konkurrenz und Rivalität beherrscht ist,

entstehen Keimzellen

brüderlicher und schwesterlicher Gemeinsamkeit.

Dem Verfall setzen sie Regeneration entgegen,

der zentral gesteuerten Monotonie überraschende Vielfalt.

Nicht Härte,

sondern Zärtlichkeit findet man da,

nicht die Kälte der Macher,

sondern die Wärme der Liebenden.

 

(Robert Jungk)

 

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Konfliktlösung

 

Die Missachtung des Lebens

und die Brutalität gegen den Menschen

lassen die Fähigkeit des Menschen

zur Unmenschlichkeit erkennen.

Sie kann und darf kein Mittel

irgendeiner Konfliktlösung sein und bleiben.

(Rosa Luxemburg)

 

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„Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“

Francisco Goya (1746-1828)

 

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- Die Erde gehört uns allen

 

                So wie der Sand, den man am Grabe uns

                Eines Tages freundlicherweise

                Nachwerfen wird

 

            - Aber im Leben gehören

 

                Die Armen den Reichen

                Die Dummen den Klugen

                Die Geschlagenen den Verschlagenen

                Die Gläubigen der Kirche

                Die Schwarzen den Weißen

                Die Naiven den Raffinierten

                Die Schweigenden den Schwätzern

                Die Friedfertigen den Streitsüchtigen

 

            - Die Erde aber könnte uns allen gehören

 

                Wenn dein Haus auch mein Haus

                Mein Geld auch dein Geld

                Dein Recht auch mein Recht

                Mein Los auch dein Los

                Dein Kleid auch mein Kleid

                Mein Glück auch dein Glück

                Dein Leid auch mein Leid

                Wäre.

 

                (von Hanns Dieter Hüsch, in: “Teile und herrsche nicht”)

 

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Ein Weiser ging einmal über Land und sah einen Mann, der einen Johannisbrotbaum pflanzte. Er blieb bei ihm stehen und sagte zu ihm: »Wann wird das Bäumchen wohl Früchte tragen?« Der Mann erwiderte: »In etwa 70 Jahren.«

Darauf der Weise: »Du bis ja verrückt! Denkst du denn, noch in 70 Jahren zu leben? Du wirst doch nie was von den Früchten dieses Baumes haben! Pflanze doch lieber einen Baum, der dir zu Lebzeiten schon etwas bringt!«

Der Mann hatte mittlerweile die Anpflanzung vollendet, sah sich sein Bäumchen an und meinte: »Als ich zur Welt kam, fand ich Johannisbrotbäume vor, aß von ihnen, ohne dass ich sie je gepflanzt hatte, denn das hatten mein Vater und mein Großvater getan. Habe ich aber nun genossen, was ich gar nicht erarbeitet habe, so will ich einen Baum pflanzen für die, die nach mir kommen, damit sie davon genießen. Wir Menschen können nur bestehen, wenn einer dem anderen die Hand reicht.«

 

 

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ES LEUCHTET DER STERN

 

Es leuchtet der Stern.

Viel kannst du nicht mitnehmen auf den Weg.
und viel geht dir unterwegs verloren.

Lass es fahren.

Gold der Liebe,
Weihrauch der Sehnsucht,
Myrrhe der Schmerzen
hast du ja bei dir.

Er wird sie annehmen.

Karl Rahner (HL 3 König)

 

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Während unserer Zusammenarbeit wurde allmählich eine Allianz geschmiedet, die auf den Gemeinsamkeiten beruht, die sich zwischen uns herausstellten:

- Unverfrorenheit, in Anbetracht der schier übermächtigen Kräfte der betroffenen Interessengruppen: Wir alle erfahren jeden Tag diesen Druck und erleben die Spannungen zwischen der jetzt bestehenden Welt und der erhofften Zukunft;

- Vorstellungskraft, denn wir alle haben es gewagt, uns ein Rechenwerk vorzustellen, das die wirtschaftlichen Realitäten ohne beschönigenden Schleier zeigt;

- Kreativität, strategisch kluge Wege zu finden, um mit unserer Aussage gehört zu werden;

- Sinn für Humor;

- Das Streben nach einem Gleichgewicht zwischen wissenschaftlichem Tiefgang und Genauigkeit sowie der Notwendigkeit, die Dialektik zu beenden und zu praktischen Lösungen zu kommen;

- Integrität und persönlicher Einsatz;

- Das Gefühl der Dringlichkeit: Wir haben keine Zeit zu verschwenden;

- Optimismus: Die Zeit ist reif; dies ist kein Anfang, sondern Teil der Verwirklichung gesellschaftlichen Wandels.

 

Wouter van Dieren: Begleitwort des Herausgebers des Club of Rome Bericht1995

Fußzeile Hans Reichenzer BC