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Ein Ge-schichte aus:

Sinnsprüche - Texte - Poesie – Lieder –Gedichte – Satire - Literatur – Humor – Heiteres - Szenen – Worte – Geschichten – Ermutigung – Erfreuliches –Trauriges – Profanes – Sprüchebeutel – Brevier – Ge-Dichte – Unsinniges – Schönes, Ehrliches,

 

 

 

 

 

 

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‚bpb‘ hat mal wieder ein ausgezeichnetes Paket zusammen gestellt. Vielen Dank allen die daran beteiligt waren.

 

Schon allein das lesen der Klappentexte ist wirksam gegen das aufkeimen geistiger wie geistlicher Insolvenz(SK) und verhindern so schwere Verläufe selbsverschuldeter Dummheit(IK) - nachhaltig.

 

Mittelschichts - Milieus - Mantra: Hab keine Angst vor: Kein Licht - Kein Geld - kein Urlaub - keine BIO-Möhren!

 

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Ehrlichkeit  (Simone de Bouvais)

Wahrheit

 

Ehrlichkeit  bedenkt den eigenen Irrtum mit

Wahrheit is tendeziell Absolut

 

Ehlichkeit  hat  die Grenze wo die Wahrehit verletzend wird. Sie lässt dem gegner auch die Ehre(Würde).

 

 

 

 

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Aus: http://www.planetlyrik.de/christa-wolf-ingeborg-bachmanns-gedicht-erklaer-mir-liebe/2014/02/

 

Von: Christa Wolf zu Ingeborg Bachmann Gedicht: Erklär mir, Liebe

 

Es fing harmlos an, nämlich mit einer Frage, die ich mir stellen mußte: Wer war Kassandra, ehe irgendeiner über sie schrieb? Und es hat, vorerst und unter anderem, dazu geführt, daß ich ein Gedicht der Bachmann [1926–1978], das ich seit langem kenne und liebe, eben jetzt, nicht zufällig während ich den Rasen harke, Beete saubermache, die Hecke im Vorgarten schneide, auf einmal auch zu verstehen glaube: „Erklär mir, Liebe“. […] Die vorletzte Strophe, wahrscheinlich kennst Du sie auswendig wie ich.

Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann:
sollt ich die kurze schauerliche Zeit
nur mit Gedanken Umgang haben und allein
nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun?
Muß einer denken? Wird er nicht vermißt ?

Vermißt – von wem? Vermißt – wobei? Bei diesen einfachen Tätigkeiten vielleicht, diesem Holz hereintragen, Wäsche aufhängen, Heringe braten, die mir nur hier Spaß machen? Die der Denkende zu meiden pflegt; die daher sein Denken nicht beeinflussen, nicht wenigstens färben können, denn sein Beruf ist Denken, von alters her. Nicht Anfassen. Nicht Tun. Das gehört ja zur Bestimmung des freien Polis-Bürgers – einer Minderheit im Staate, von der der Philosoph wiederum sich abspaltet: daß er nicht mit den Händen arbeitet. Wohl aber Zeit findet, den Rhapsoden zu lauschen, die, einander ablösend, unter anderm ein gewisses Epos eines gewissen Homer psalmodieren, das zwar vor allem den Zorn eines Heroen namens Achill besingt und den mörderischen Kampf zahlreicher andrer Vorzeit-Helden; in dem doch auch Namen von Frauen vorkommen, als Verführerinnen, als Gattinnen, Mütter (also natürlich in bezug zum Mann), und eben auch der Name einer Unglücksprophetin, Kassandra. Anfangend mit jenen frühen Denkenden, sich Bildenden, Dichtenden, seh ich durch die zweieinhalb Jahrtausende, da die Schrift uns ihre Namen überliefert hat, die beeindruckende Galerie denkender Männerköpfe. „Muß einer denken“ soll vielleicht heißen: Muß einer – oder eine? – so denken? So – ausschließend? Die Liebe, das Liebe ausschließend:

[…] nur mit Gedanken Umgang haben und allein / nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun […]

Erklär mir, Liebe: Wie liest Du das? Wen redet sie an? Die Liebe – personifiziertes Abstraktum – oder eine Frau, die sie „Liebe“ nennt? Spricht sie als Frau, spricht sie als Mann? „Du sagst, es zählt ein andrer Geist auf ihn…“ Ist es der Geliebte, mit dessen Gedanken allein das Ich des Gedichts ,Umgang haben sollt‘ – weshalb es „nichts Liebes kennen“ kann, „nichts Liebes tun“, ihn, den Denkenden, also vermißt? Ist es sie selbst, die, so denkend, sich vermissen muß und vermißt wird?
Ebenso vieldeutig ist das Du des Gedichts.

Dein Hut lüftet sich leis, grüßt, schwebt im Wind,
dein unbedeckter Kopf hat’s Wolken angetan,
dein Herz hat anderswo zu tun,
dein Mund verleibt sich neue Sprachen ein

Wen redet sie an? Als „Du“ sich selbst? Die, die sie später „Liebe“ nennt? (Falls es eine ,Die‘ ist… ) Geht es Dir auch so? Je tiefer ich mich in das Gedicht hinablasse, auf seinen Grund, den ich aber nicht unter den Füßen spüre, je stärker nimmt mich selbst die Irritation gefangen, von der es zeugt und die aufzulösen es nicht unternimmt, in einander stützenden, einander höher treibenden und übersteigenden Bildern Liebesspiele in der Natur beschreibend („Der Pfau, in feierlichem Staunen, schlägt sein Rad“), Wasser, Welle, Stein sogar zu Zeugen rufend („Die Welle nimmt die Welle an der Hand“ – „Ein Stein weiß einen andern zu erweichen!“), um abzusinken auf den eignen Mangel, den eignen unersetzlichen Verlust. „Sollt ich die kurze schauerliche Zeit […]“ – Was denkst Du bei dem Worte ,schauerlich‘? Mißbraucht werden von dem, von denen, die man am meisten liebt. Nicht ich, nicht du sein dürfen, sondern ,es‘: Objekt sein fremder Zwecke. Nur mit Gedanken Umgang haben, die zweckgerichtet sind, nicht mit dem, der (an mich nicht) denkt. Du sagst, es zählt ein andrer Geist auf ihn… Der Geist der Liebe sicher nicht. Der Geist, der zählt und mißt und wertet und nach Verdiensten lohnt und straft.

Erklär mir nichts. Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

Dies, scheint mir, will das Ich und das Du des Gedichts, die ich mir gern zusammen denke, als Preis für Unversehrbarkeit nicht zahlen: fühllos sein. Der denkt, gedacht hat, Hunderte von Jahren, um sich abzuhärten: Er wird nun vermißt. Die Brüderlichkeit, Natürlichkeit, Arglosigkeit, die er sich weggedacht, sie fehlen ihm nun doch. Merkt er noch, gestählt und gepanzert, wie er ist, ob es Feuer oder Kälte sind, durch die er geht? Er wird Instrumente mit sich führen, die Temperatur zu messen, denn was ihn umgibt, muß eindeutig sein. Dies bedenkend, bedauernd, beklagend auch, gibt das Gedicht selbst ein Beispiel von genauester Unbestimmtheit, klarster Vieldeutigkeit. So und nicht anders, sagt es, und zugleich – was logisch nicht zu denken ist –: So. Anders. Du bist ich, ich bin er, es ist nicht zu erklären. Grammatik der vielfachen gleichzeitigen Bezüge.

Christa Wolf, aus: Christa Wolf: Kassandra. Vier Vorlesungen. Eine Erzählung, Luchterhand Literaturverlag, 1983

 

 

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Aus: http://www.gedichte-werkstatt.de/Docs/BachmannErklaermir.html

 

Ingeborg Bachmann

 

Erklär mir, Liebe
(1956)

Dein Hut lüftet sich leis, grüßt, schwebt im Wind,
dein unbedeckter Kopf hat’s Wolken angetan,
dein Herz hat anderswo zu tun,
dein Mund verleibt sich neue Sprachen ein,
das Zittergras im Land nimmt überhand,
Sternblumen bläst der Sommer an und aus,
von Flocken blind erhebst du dein Gesicht,
du lachst und weinst und gehst an dir zugrund,
was soll dir noch geschehen –

Erklär mir, Liebe!

Der Pfau, in feierlichem Staunen, schlägt sein Rad,
die Taube schlägt den Federkragen hoch,
vom Gurren überfüllt, dehnt sich die Luft,
der Entrich schreit, vom wilden Honig nimmt
das ganze Land, auch im gesetzten Park
hat jedes Beet ein goldner Staub umsäumt.

Der Fisch errötet, überholt den Schwarm
und stürzt durch Grotten ins Korallenbett.
Zur Silbersandmusik tanzt scheu der Skorpion.
Der Käfer riecht die Herrlichste von weit;
hätt ich nur seinen Sinn, ich fühlte auch,
daß Flügel unter ihrem Panzer schimmern,
und nähm den Weg zum fernen Erdbeerstrauch!

Erklär mir, Liebe!

Wasser weiß zu reden,
die Welle nimmt die Welle an der Hand,
im Weinberg schwillt die Traube, springt und fällt.
So arglos tritt die Schnecke aus dem Haus!

Ein Stein weiß einen andern zu erweichen!

Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann:
sollt ich die kurze schauerliche Zeit
nur mit Gedanken Umgang haben und allein
nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun?
Muß einer denken? Wird er nicht vermißt?

Du sagst: es zählt ein andrer Geist auf ihn ...
Erklär mir nichts. Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

 

 

 

Informationen & Interpretationen:

 

"Erklär mir, Liebe" entstand in Italien, in einer Zeit glücklicher Hochstimmung, als Ingeborg Bachmann mit dem homosexuellen Komponisten Hans Werner Henze zusammenlebte. Das genaue Produktionsdatum ist unbekannt. Erschienen ist der Text zum ersten Mal am 19. Juli 1956, in der Wochenzeitung "Die Zeit". Im gleichen Jahr wurde er publiziert in der Sammlung "Anrufung des großen Bären", im zweiten Block.


Die Autorin war bisweilen, auch ihre Briefzeugnisse künden davon, wirklich glücklich in Italien, bei Henze und ohne ihn, auf Ischia, in Rom, in Neapel. Im September 1953 hatte sie an Paul Celan, mit dem sie eine tief problematische Liebesgeschichte verband, aus Forio/Ischia geschrieben: "Manchmal wünsche ich mir, nie mehr zurück zu müssen nach ›Europa‹".

Und hier nun fragt die Autorin nach "Liebe" - wobei zunächst, der Zeichensetzung mißtrauend, in der Schwebe bleibt, ob sie mit Ihrem Imperativ ("erklär") von einem bestimmten menschlichen Du (angesprochen in "Dein Hut") eine Erklärung zur Liebe möchte oder die Liebe selbst anspricht um Erklärung. In den Strophen Fünf und Sechs (die einzelnen Zwischenzeilen nicht gezählt) wird klar: Die Liebe selbst ist angefragt, Gott Amor, den Francesco Petrarca, immer wieder Referenz Bachmanns, in seinem Modell aller europäischen Liebeslyrik, dem "Canzoniere", noch ganz direkt angeredet hat. Das Du dagegen bekommt zu hören: "Erklär mir nichts". Dass es um - auch - sexuelle Liebe geht, wird an den gewählten Bildern aus dem Tier- und Pflanzenreich deutlich. Formal muten diese an wie altväterlicher Aufklärungsunterricht mit Blüte und Biene. Doch zauberhaft leicht kommen sie daher, "Der Käfer riecht die Herrlichste von weit" - schöner ist die Wirkung von Pheromonen sicherlich nie beschrieben worden.

Doch dieser Text will nicht forciert "schön" sein. Er spricht nur im Konjunktiv davon, die "Flügel" fühlen zu können, die unter eines Käfers (der "Herrlichsten") "Panzer" schimmern. Beschönigt wird hier nicht, nur Schönes wahrgenommen, aus der schmerzlichen Distanz zum "gehst an dir zugrund", ein Akkord, angeschlagen gleich in der ersten Strophe. Und dieses "zugrund" ist nicht mit Heidegger gemeint, dem die Dissertation Bachmanns gilt, sondern mit Paul Celan. Der schreibt in "Von Dunkel zu Dunkel" 1954: "Du schlugst die Augen auf - ich seh mein Dunkel leben./ Ich seh ihm auf den Grund:/ auch da ists mein und lebt."

Liebe bei den Tieren, bei den Pflanzen, ja gar beim Unbelebten, "die Welle nimmt die Welle an der Hand" und "Ein Stein weiß einen andern zu erweichen". Nur, und da öffnet dieses Gedicht seinen Abgrund, nur unter Menschen, bestimmten Menschen scheint es dies nicht zu geben, da wird in banger Erklärungsnot gefragt "sollt ich die kurze schauerliche Zeit/nur mit Gedanken Umgang haben". Das Du weiß darauf keine Antwort, sein "es zählt ein andrer Geist auf ihn" wird barsch zurückgewiesen: "Erklär mir nichts". Nur ein Tier kann hier zum Vergleich noch dienen: Der Salamander, der "durch jedes Feuer" geht.

Den Zyklus "Lieder auf der Flucht", veröffentlicht in der Sammlung "Anrufung des Großen Bären", stellte Ingeborg Bachmann unter ein Zitat aus den "Trionfi" Francesco Petrarcas, genauer: aus dem "Trionfo d'Amore" III/148ff.

Dura legge d'Amor! ma, ben chè obliqua,
Servar convensi; però ch'ella aggiunge
Di cielo in terra, universale, antiqua.


Das "harte Gesetz" ("dura legge") der Liebe, es prägt auch diesen Text.

 

Hartmut Schönherr

 

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Gegensätze und Kontroversen (Anderstartigkeit gegensätzlich) sind Zwillinge

Man solltebeide lieben

Der eine bringt Klarheit im Standpunkt die andere Die Wahrheit in der Vielgestaltigkeit.

In Dialogen Standpunkte erkennen und einen Standpunkt vertreten wie die der anderen respektieren. Das andere Verstehen heißt noch nicht es zu respektieren und zu dulden oder sogar sich zu solidarisieren.

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DU  (ich  - Du)

 

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Ein Vater begab sich mit seinem Sohn und einem Esel auf den Weg zu einem naheliegenden Marktplatz, um seine Waren zu verkaufen.

 

Der Vater saß auf dem Esel, den der Junge führte. „Der arme Junge“, sagte da ein entgegenkommender Mann. „Seine kurzen Beinchen versuchen mit dem Tempo des Esels Schritt zu halten. Wie kann man so faul auf dem Esel herumsitzen, wenn man sieht, dass das kleine Kind sich müde läuft.“

 

Der Vater nahm sich dies zu Herzen, stieg hinter der nächsten Ecke ab und ließ den Jungen aufsitzen. Gar nicht lange dauerte es, da erhob schon wieder ein Vorübergehender seine Stimme: „So eine Unverschämtheit. Sitzt doch der kleine Bengel wie ein König auf dem Esel, während sein armer, alter Vater nebenherläuft.“

 

Dies schmerzte den Jungen und er bat den Vater, sich hinter ihm auf den Esel zu setzen. „Hat man so was schon gesehen?“ keifte da eine alte Frau, „solche Tierquälerei! Dem armen Esel hängt der Rücken durch, und der alte und der junge Nichtsnutz ruhen sich auf ihm aus, die arme Kreatur!“

 

Die Gescholtenen schauten sich an und stiegen beide, ohne ein Wort zu sagen, vom Esel herunter. Kaum waren sie wenige Schritte neben dem Tier hergegangen, machte sich ein Fremder über sie lustig: „So dumm möchte ich nicht sein. Wozu führt ihr denn den Esel spazieren, wenn er nichts leistet, euch keinen Nutzen bringt und noch nicht einmal einen von euch trägt?“

 

Der Vater schob dem Esel eine Hand voll Stroh ins Maul und legte seine Hand auf die Schulter seines Sohnes. „Gleichgültig, was wir machen“, sagte er, „es findet sich doch jemand, der damit nicht einverstanden ist. Ich glaube, wir müssen selbst wissen, was wir für richtig halten.“

 

 

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Lob der Freundschaft

 

 

Und was                                     
tut david ohne jonathan
und karl marx ohne engels
und maria ohne elisabeth
und ch

e guevara ohne fidel

 

Und was
wird aus uns allen
ohne bob und sidney brown

 

 

Freunschaft ist
wenn abraham mit gott handelt
um die stadt sodom zu retten
wenn er den erhabenen herunterbringt
von fünzig auf zehn gerechte
aus freundschaft

 

freundschaft ist
wenn die fischer die netze weglegen
und ziemlich ahnungslos mitgehen
der anfang der organisation und des kampfes
das ende des zielosen lebens
aus freundschaft

 

freundschaft ist
wenn maria elisabeth aufsucht
und bleibt bis die zeit zum abtreiben
vorbei ist das würgen am morgen zu ende
etwas neues wird kommen für alle
aus freundschaft

 

 

Und was
tut david ohne jonathan
und karl marx ohne engels
und maria ohne elisabeth
und che guevara ohne fidel
und jesus ohne johannes

 

und was
wird aus der armen dorothee
unter acht millionen new yorkern
ohne bob und sidney brown

 

 

Freundschaft ist
wenn du abends ins haus der leute kommst
und mittelmäßig klavier spielend nimanden
zum zuhören oder darüberreden bringst

 

freundschaft ist
wenn du absolut sicher bist
dass sie nie nett zu dir sein werden

 

freundschaft ist
verfügbar sein und verfügen
reden können und nichtreden müssen
fragen können und
nicht verzweifeln wenn keine antwort kommt

 

freundschaft ist
wissen dass du spät in der nacht klingeln kannst
wenn sie dich suchen werden
die gestapo der fbi oder der stasi

 

 

Und was
tut david ohne jonathan
und karl marx ohne engels
und maria ohne elisabeth
und che guevara ohne fidel
und jesus ohne johannes
und dietrich ohne eberhard

 

und was
wird aus uns allen
ohne bob und sidney brown

 

 

dorothee sölle; aus: fliegen lernen – gedichte  fietkau-verlag

 

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Dietrich Bonhoeffer lebte in einer schweren Zeit und wusste nicht, wie es weitergehen würde. Auch wir wissen nicht, wie es weitergeht. Mit ihm zusammen bekennen wir unseren Glauben, ihr zuhause und wir hier in der Kirche.

 

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Schicksal* ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

 

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Victi vicimus
Besiegt siegen wir

 

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Aus: http://www.gottesgeschichten.de/de/ausleihen/leseprobe46.html

 

 

leseprobe aus "dorothee sölle - das lesebuch"

 

der lange marsch

 

vielleicht haben wir uns das zu einfach gedacht

als wir losgingen damals

auf dem langen marsch durch die wüste

um bessere methoden zu finden füreinander dazusein

 

o herr haben wir gedacht mach uns zum werkzeug

deines friedens

aber was kam war der lästige streit mit der behörde

die ordnung will und nicht frieden

die tägliche mühsal um nichtigkeiten

und das schreckliche alleingelassenwerden

da wurden die werkzeuge des friedens

zu querulanten und lästigen störern

der schönen einstimmigkeit

 

viele haben es jetzt schon immer gewusst

dass nichts zu machen ist im rahmen kirche

wer kann schon jahrelang von manna leben

und keinen sinn sehen in dem was er tut

 

viele haben es satt und wünschen sich nach ägypten

wo steuern flossen wie milch und honig

und die kirchen voll waren und die lieder

von allen gekannt fröhlich klangen

 

wie lange soll der marsch noch dauern

was bedeutet das vierzig jahre

ist es unsere generation die verheizt wird

oder die nächste noch und wozu

lohnt sich das ziel für ein ganzes leben

voll mühe und konferenzen

kommen wir je heraus aus der erstarrung

immer nur sand und steine und keine menschen

die mit uns an der arbeit bleiben

die uns helfen eindeutig und öffentlich zu sprechen

 

wenig hilfe von unten selten verstanden zur seite

und von oben der uralte trick

jede frage zur sache als disziplinarfall zu nehmen

um herrschaft zu sichern und ordnung

und die unanständige sprache des einfachen volkes

fernzuhalten von allen kanzeln

 

die wüste durch die wir wandern

voll friedlosigkeit voll angst

voll ohnmacht voll verschleierung

 

o herr mach uns zum werkzeug deines friedens

werkzeug der konflikte nicht der einstimmigkeit

werkzeug der wahrheit nicht der umschreibenden

verhüllung

werkzeug des glücks nicht der einschläferung

 

lasst uns zusehen ob das geht

 

was wir brauchen für den frieden

wir wollen das jetzt mit dir besprechen gott

wir brauchen viel mehr freunde

um mehr frieden machen zu können

freunde aus verschiedenen klassen auch solche ohne

thomas mann

freunde aus verschiedenen konfessionen auch solche

mit rosenkränzen

freunde aus verschiedenen geschlechtern auch homos

und lesben

freunde mit verschiedenen interessen auch solche die wir

nicht mögen

freunde die miteinander eine vision teilen

vom frieden der herstellbar ist

freunde die glauben

 

bewahre uns vor dem romantischen irrtum gott

die freundschaft sei ein geschenk und vom himmel

und vor dem konservativen irrtum

sie wachse in langen jahren wie bäume

lehre uns erkennen das sie arbeit ist

und gebaut wird wie alles was gut ist für uns

 

wir brauchen freunde die wissen

dass man nicht alles mit ihnen machen kann

die eine stimme haben und mitbestimmen

die solidarität üben mit dem der gemaßregelt wird

die immer angstloser werden

und so den frieden verbreiten

 

 

 

 

 

ohne zu lügen

 

schaffe in mir gott ein neues herz

das alte gehorcht der gewohnheit

schaff mir neue augen

die alten sind verhext vom erfolg

schaff mir neue ohren

die alten registrieren nur unglück

und eine neue liebe zu den bäumen

statt der voller trauer

einen neue zunge gib mir

statt der gewaltverseuchten

die ich gut beherrsche

mein herz erstickt an der ohnmacht

aller die deine fremdlinge lieben

schaffe in mir gott ein neues herz

und gib mir einen neuen geist

dass ich dich loben kann

ohne zu lügen

mit tränen in den augen

wenns den sein muss

aber ohne zu lügen

                     dorothee sölle

 

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Querdenken ist ein Ausdruck vernünftigen kritischen Bewusstseins. Bei den selbst sogenannten Quersenkern ist die Vernunft etwas spärlich und in ihren Köpfen manches nur Quer. Nicht zu verstehen, aber behaupten man weiß es besser ist Merkmal der Querköpfe.

So frei nach Karl Valentin: Die Dummen behaupten die Geschieden wisset nichts.

 

 

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Am Meer

 

Wie ist dir nun,

meine Seele?

Von allen Märkten
                                               Keine Frage
des Lebens fern,
                                               von Menschenlippen
darfst du nun ganz
                                               fordert Antwort.
dein selbst genießen.
                                               Keine Rede

                                               noch Gegenrede

                                               macht dich gemein.

.                                              Nur mit Himmel und Erde

                                               hältst du

                                               einsame Zwiesprache.

                                               Und am liebsten

                                               befreist du

                                               dein stilles Glück,
                                                                                  Wie ist Dir nun,
                                               dein stilles Weh
                                                                                  meine Seele?
                                               in wortlosen Liedern.
                                                                                  von allen Märkten

                                                                                  des Lebens fern,

                                                                                  darfst du nun ganz

                                                                                  dein selbst genießen.

Christian Morgenstern

Am Meer

Wie ist dir nun,
meine Seele?
Von allen Märkten
des Lebens fern,
darfst du nun ganz
dein selbst genießen.

Keine Frage
von Menschenlippen
fordert Antwort.
Keine Rede
noch Gegenrede
macht dich gemein.
Nur mit Himmel und Erde
hältst du
einsame Zwiesprache.
Und am liebsten
befreist du
dein stilles Glück,
dein stilles Weh
in wortlosen Liedern.

Wie ist dir nun,
meine Seele? Von allen Märkten
des Lebens fern
darfst du nun ganz
dein selbst genießen.

Christian Morgenstern

 

 

 

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Mit Gott reden

Wer mit dem Menschen reden will,
ohne mit Gott zu reden,
dessen Wort vollendet sich nicht;
aber wenn er mit Gott reden will,
ohne mit dem Menschen zu reden,
dessen Wort geht in die Irre.
Die wahre Anrede Gottes
weist den Menschen
in den Raum der gelebten Sprache.

 

Martin Buber

 

 

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Wo ich gehe Du!
Wo ich stehe – du!
Nur du, wieder du, immer du!
Du, du, du!
Ergeht’s mir gut – du!
Wenn’s weh mir tut – du!
Nur du, wieder du, immer du!
Du, du, du!
Himmel – du, Erde – du,
Oben – du, unten – du,
Wohin ich mich wende, an jedem Ende
Nur du, wieder du, immer du!
Du, du, du!

Aus: Cassidische Geschichten Martin Buber s 342

 

 

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Was ist Freundschaft?

Freundschaft ist ein anspruchsloses Verhältnis, denn „Freunden" die ist keine Amtsbezeichnung, kein Hoheitstitel, keine Funktion, die einer zeitweise ausüben muss und keine Rolle, die er in der Gesellschaft spielen soll. Freundschaft ist ein persönliches Verhältnis, „ einer der dich gern hat„, den du gern hast.

Freundschaft verbindet nach Immanuel Kant Zuneigung mit Achtung. Freundschaft ist mehr, als was wir sonst Liebe, Eros und Caritas nennen: "Herr Keuner zog die Stadt B der Stadt A  vor", heißt es in Brechts Kalendergeschichten: "in der Stadt A“, sagte er, „liebte man mich! Aber in der Stadt B war man zu mir freundlich. In der Stadt A machte man sich mir nützlich, aber in der Stadt B brauchte man mich. In der Stadt A bat man mich an den Tisch, aber in der Stadt B bat man mich in die Küche." Zuneigung mit Achtung zu verbinden, heißt nicht, den anderen dienen zu wollen und ihm zu nützen, sondern ihn, so wie er ist, zu brauchen - nicht erst am gedeckten Tisch, sondern schon in der Küche.

Freundschaft verbindet aber Achtung mit Zuneigung. Man kann eine geachtete Persönlichkeit sein, Respekt und Bewunderung genießen und doch niemand finden, der „einen gern hat".

Vor einem Freund braucht man sich nicht zu bücken …   Jürgen Moltmann

Aus: Text die Lieder und Gebete, Vinzenz von Paul,  Untermarchtal   S. 38

 

 

 

 

 

„Die Gegenwart ist wesentlich verständig, sie ist vielleicht im Durchschnitt so wissend wie keine Generation zuvor es gewesen ist, aber sie ist ohne Leidenschaft. Ein jeder weiß viel; wir wissen alle, welchen Weg man gehen soll und die vielen Wege, die man gehen kann, aber niemand will sie gehen. “

S. Kierkegaard. Entnommen aus dem Geistlichen Impuls: https://biberach-riss.de/media/custom/2940_1685_1.PDF...

 

 

 

 

 

Der Kapitalismus schafft sich auf dieser Entwicklungsstufe Menschen, ‘welche nicht nur produzieren, ohne zu konsumieren, sondern auch kaufen, ohne zu konsumieren!‘ … Vor diesem Hintergrund verpufft natürlich jede Phantasie über Wirksamkeit strategischen Konsums ins gegenstandslose Nichts.  …. So geht es mit den Absichten der Käuferinnen und Käufer: Von konsumierenden verwandeln sie sich in bloße Relaisstationen zwischen Herstellung und Entsorgung. Und wieder die Frage: Wollten Sie so etwas  jemals sein? S.82

 Welzer Harald Selbstdenken  Copy 2013 Fischerverlag 6.Aufl.9/2015

 

 

 

 

 

 

- Die Erde gehört uns allen

 

                So wie der Sand, den man am Grabe uns

                Eines Tages freundlicherweise

                Nachwerfen wird

 

            - Aber im Leben gehören

 

                Die Armen den Reichen

                Die Dummen den Klugen

                Die Geschlagenen den Verschlagenen

                Die Gläubigen der Kirche

                Die Schwarzen den Weißen

                Die Naiven den Raffinierten

                Die Schweigenden den Schwätzern

                Die Friedfertigen den Streitsüchtigen

 

            - Die Erde aber könnte uns allen gehören

 

                Wenn dein Haus auch mein Haus

                Mein Geld auch dein Geld

                Dein Recht auch mein Recht

                Mein Los auch dein Los

                Dein Kleid auch mein Kleid

                Mein Glück auch dein Glück

                Dein Leid auch mein Leid

                Wäre.

 

                (von Hanns Dieter Hüsch, in: “Teile und herrsche nicht”)

 

 

 

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‚Geb den Menschen was sie bedürfen nicht was sie wünschen.‘ (vielleicht von Schiller)

 

Bedürfen:

-          Würde

-          Versorgung

-          Freiheit

Haltung der Sorge (Heilige Ökonomie)

 

Wollen:

-          Reichtum

-          Macht

-          Image

-          Wissen

Haltung des sich verdienen oder Schaffens)

 

 

RZ: ABER Keines, in den Bedürfnissen wie im Wollen,  gegen den ausdrücklichen Willen!

 

 

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Aus: Friedenspreis des Dt Buchandels 2013 Link:http://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/sixcms/media.php/1290/Friedenspreis_2013_Reden_deutsch.pdf

 

Swetlana Alexijewitsch

 

Warum bin ich in die Hölle hinabgestiegen?

 

Dankesrede

 

Ich möchte Sie als »liebe Nachbarn in der Zeit« ansprechen. Wir haben nicht nur die gleichen Smartphones in der Tasche, uns eint mehr – die gleichen Ängste und Illusionen, die gleichen Verlockungen und Enttäuschungen. Es erschreckt uns alle, dass das Böse immer raffinierter und unbegreiflicher wird. Wir können nicht mehr wie die Helden Tschechows ausrufen, in hundert Jahren würde der Himmel voller Diamanten und der Mensch wunderbar sein. Wir wissen nicht, wie der Mensch sein wird.

 

In Dostojewskis »Legende vom Großinquisitor« wird über die Freiheit gestritten. Darüber, dass der Weg der Freiheit schwer ist, qualvoll und tragisch...

 

»Warum zum Teufel müssen wir überhaupt erkennen, was gut und böse ist, wenn es uns so teuer zu stehen kommt?«

 

Der Mensch muss sich die ganze Zeit entscheiden: Freiheit oder Wohlstand und gutes Leben, Freiheit mit Leiden oder Glück ohne Freiheit. Die meisten Menschen gehen den zweiten Weg.

 

»Der Großinquisitor sagt zu Jesus, der auf die Erde zurückgekehrt ist: ‚Was bist Du gekommen, uns zu stören? Denn uns zu stören bist Du gekommen, und Du selbst weißt es wohl.‘

 

‚Indem Du ihn [den Menschen] so hoch achtetest, hast Du gehandelt, als hättest Du kein Erbarmen mehr mit ihm, denn zuviel hast Du von ihm gefordert. [...] Hättest Du ihn geringer geachtet, hättest Du auch weniger von ihm gefordert, und das wäre der Liebe näher gekommen, hätte es doch sein Joch erleichtert. Schwach ist der Mensch und gemein. [...] Was kann die schwache Seele dafür, dass sie nicht die Kraft hat, so furchtbare Gaben aufzunehmen?‘

 

‚Es gibt für den Menschen, solange er frei ist, keine dauernde und bedrückendere Sorge als so bald wie möglich etwas zu finden, das er anbeten kann. [...] und keine quälendere Sorge, als jemanden zu finden, dem er so schnell wie möglich das Geschenk der Freiheit abtreten kann, mit der dieses beklagenswerte Geschöpf geboren wird.‘ «

 

Zitat aus: Dostojewkis Roman Die Brüder Karamasow

 

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Wir sind hier, weil es letztlich kein Entrinnen vor uns selbst gibt.

Solang der Mensch sich nicht selbst in den Augen und Herzen seiner Mitmenschen begegnet, ist er auf der Flucht. Solang er nicht zulässt, dass seine Mitmenschen an seinem Innersten teilhaben, gibt es für ihn keine Geborgenheit.

Solange er sich fürchtet, durchschaut zu werden, kann er weder sich selbst noch andere erkennen – er wird allein sein.

Wo können wir einen solchen Spiegel finden, wenn nicht in unserem Nächsten.

Hier in der Gemeinschaft kann ein Mensch erst richtig klar über sich werden und sich nicht mehr als den Riesen seiner Träume oder den Zwerg seiner Ängste sehen, sondern als Mensch, der – Teil eines Ganzen – zu ihrem Wohl einen Beitrag leistet.

In solchem Boden können wir Wurzeln schlagen und wachsen; nicht mehr allein - wie im Tod – sondern – lebendig als Mensch unter Menschen.

Richard Beauvais 1964

 

 

 

 

 

 

Fußzeile Hans Reichenzer BC